Im Rallyesport reicht das Preisgeld nur in den seltensten Fällen zum Leben. Anders als in vielen anderen Sportarten gehen die meisten Pilotinnen und Piloten der Deutschen Rallye-Meisterschaft deshalb ganz normalen Berufen nach.
Wer Marijan Griebel außerhalb des Rallyesports begegnen will, trifft ihn womöglich auf Streife. Der Titelverteidiger ist Polizeihauptkommissar bei der Landespolizei Rheinland-Pfalz, im Schichtdienst zwischen Verkehrsüberwachung und der Bearbeitung von Anzeigen. Den Spagat zwischen Uniform und Rennoverall löst er über eine Teilzeitstelle, für die Rennen bekommt er dann frei. Was er aus dem Dienst mitnimmt, passt erstaunlich gut ins Cockpit: in Sekundenschnelle entscheiden, auch wenn der Druck steigt.
Beruflich nah am Rallyesport ist Julius Tannert. Er arbeitet selbstständig als Fahrsicherheitstrainer und Instruktor, gibt Sportfahrer- und Rennstreckentrainings und bringt Fahrerinnen und Fahrern den Grenzbereich näher, unter anderem am Sachsenring. Die Selbstständigkeit verschafft ihm die nötige Flexibilität, um Job und Rennkalender zu vereinen, auch wenn das viel Planung kostet. Wer beruflich ständig Autos im Grenzbereich bewegt, trainiert Fahrzeuggefühl und Fahrdynamik ganz automatisch mit – kein Nachteil, wenn er sich im Rallyeauto schnell auf neue Bedingungen einstellen muss.
Mit Autos hat auch Philip Geipel täglich zu tun, allerdings im Verkaufsraum. Er ist Automobilverkäufer und arbeitet zusätzlich als Fahrinstruktor bei ausgewählten Veranstaltungen wie dem Perfektionstraining auf der Nordschleife. Seine Urlaubstage gehen für Sport und Nebenjob drauf, mehr Zeit muss er sich erarbeiten. Geholfen hat ihm der Werdegang: Über die Lehre zum KFZ-Mechatroniker bringt er ein solides technisches Verständnis mit, der Verkaufsjob hält ihn fokussiert und im langfristigen Denken.
Am tiefsten in der Technik steckt Andreas Dahms. Der KFZ-Meister ist selbstständig mit einer freien Porsche-Werkstatt, sein Tagesgeschäft reicht von Wartung und Instandhaltung bis zum Motoren- und Getriebebau. Wie bei Tannert ist es die Selbstständigkeit, die ihm das nötige Frei für die Rallye verschafft. Sein größter Vorteil liegt aber unter der Motorhaube: Dahms repariert alles am Rallyeauto selbst, hält den Wagen technisch auf hohem Niveau – und fällt deshalb kaum einmal aus.


