Zum Hauptinhalt springen
DRM·23.3.2026

Geipel und Tannert wollen Heimvorteil im Erzgebirge nutzen

Am kommenden Wochenende startet die Deutsche Rallye-Meisterschaft (DRM) in ihre neue Saison. Zu den Favoriten bei der ADAC Rallye Erzgebirge (27./28. März) zählen die Lokalmatadore Philip Geipel (Plauen), deutscher Rallyemeister 2022, und Julius Tannert aus Zwickau.

Philip Geipel freut sich auf sein DRM-Heimspiel © Foto: ADAC

Beide haben in den vergangenen vier Jahren bei dem Traditionsevent jeweils zwei Mal gewonnen. Geipel startet zusammen mit Beifahrerin Jennifer Lerch in einem Toyota GR Yaris Rally2, Tannert tritt erstmals gemeinsam mit Pirmin Winklhofer mit einem Porsche 911 Rally GT an. Im Interview sprechen die beiden Sachsen über den Reiz der „Erze“, über ihre Ziele und geben Zuschauertipps.

Welche Bedeutung hat die ADAC Rallye Erzgebirge? Philip Geipel: Die „Erze“ ist für mich ein absolutes Highlight im Kalender der DRM – nicht nur, weil ich sie bereits zweimal gewonnen habe. Sie ist auch mein Heimevent. Es ist immer sehr emotional vor heimischem Publikum zu starten.

Julius Tannert: Für mich ist die „Erze“ die wichtigste Veranstaltung des Jahres und meine Heimrallye. Es schauen viele Freunde und Bekannte vorbei, aber auch zahlreiche Partner und Sponsoren, mit denen ich am Donnerstag Taxifahrten absolviere. Hier habe ich die meisten Fans auf meiner Seite, das macht sie für mich sehr besonders.

Was macht den Reiz der Rallye aus? Philip Geipel: Die Wertungsprüfungen sind sehr schnell und anspruchsvoll. Man muss extremes Vertrauen in sich und das Auto haben. Die Ansagen des Beifahrers müssen zu 100 Prozent passen. Eine Besonderheit ist auch das berüchtigte „Erzewetter“, das sich sehr schnell ändern kann. Mal hat man Sonnenschein und dann plötzlich Regen. Da es auf den Prüfungen große Höhenunterschiede gibt, kann es sogar passieren, dass an manchen Stellen Schnee liegt. Julius Tannert: Mich begeistern vor allem die Wertungsprüfungen. Sie sind sehr schnell und eine echte Herausforderung. Auch die zahlreichen Ortsdurchfahrten haben ihren Reiz. Der Bezug zur Heimat macht die ADAC Rallye Erzgebirge zu einem einzigartigen Event. Als Kind war ich oft als Zuschauer dabei und habe meinen Rallye-Idolen zugeschaut. Heute selbst an den Start zu gehen, ist für mich etwas sehr Besonderes.

Julius Tannert feiert bei der „Erze“ Premiere im Porsche 911 Rally GT © Foto: Team Motopark

Was ist das Erfolgsgeheimnis bei der „Erze“? Philip Geipel: Man muss ab dem Start hellwach sein und vom ersten Meter an pushen. Denn anfangs verlorene Zeit kann man im Laufe der Rallye kaum wieder gutmachen. Attackieren statt taktieren ist das Motto. Jeder Bremspunkt muss passen, denn sonst rutscht man schnell raus.

Julius Tannert: Vor allem das „Erzewetter“ macht es immer sehr spannend. Es ist sehr wechselhaft, weshalb es auf die richtige Reifenwahl ankommt. Das hat uns bei unserem Sieg 2024 in die Karten gespielt, als wir am Samstagmorgen im Regen auf einer Prüfung einen Vorsprung von mehr als 20 Sekunden herausfahren konnten. Das war der Grundstein für den Erfolg. Auch die Dunkelheit am Freitagabend ist eine Herausforderung. Da ist es schwierig, den richtigen Speed zu finden – vor allem auf den Plattenwegen, wo man nicht viel sieht.

Was rechnen Sie sich in diesem Jahr aus? Philip Geipel: Eine Prognose abzugeben, ist nicht einfach. Es gibt in diesem Jahr neue Konkurrenz, die ich nur schwer einschätzen kann. Mein Ziel ist es, 100 Prozent zu geben und fehlerfrei durchzukommen. Dann schauen wir mal, wo wir am Ende landen werden.

Julius Tannert: Es ist mein erster Start im Porsche 911 Rally GT, der vom Konzept ganz anders ist als die Rally2-Autos mit Allrad, die ich zuletzt gefahren bin. Er hat viel mehr Leistung und Heckantrieb. Daher kommt es vor allem darauf an, viel zu testen und Erfahrung zu sammeln. Aber das Ziel ist es schon, mit schnellen Zeiten für Aufsehen zu sorgen und am Ende bestplatzierter Porsche zu sein.

Im vergangenen Jahr gewann Philip Geipel zum zweiten Mal im Erzgebirge © Foto: ADAC

Haben Sie eine Lieblingsprüfung? Philip Geipel: Eine bestimmte Prüfung herauszupicken ist schwierig. Für mich haben alle ihren Reiz und sind eine Herausforderung.

Julius Tannert: Meine Lieblingsprüfung in diesem Jahr ist Wiesa, die am Samstagnachmittag zweimal gefahren wird. Sie ist schnell, flüssig und abwechslungsreich. Es geht bergauf und bergab, es gibt Ortsdurchfahrten und geht durch den Wald. Die Prüfung macht wirklich Spaß zu fahren.

Welche Tipps gibt es für die Zuschauer? Philip Geipel: Der Showstart auf dem Markt in Stollberg, bei dem alle Teilnehmer mit ihren Rallyeautos vorgestellt werden, ist immer einen Besuch wert. Wer auf den Prüfungen die Autos mehrmals sehen will, dem empfehle ich die Rundkurse Neukirchen und Waschleithe. Einmalig ist auch die Stimmung am Freitagabend, wenn es dunkel wird und die Fans ein Feuerwerk starten. Das erinnert an die legendäre Rallye Monte Carlo und ist immer eine riesige Motivation. Wichtig: Bitte immer unbedingt die Anweisungen der Streckenposten befolgen.

Julius Tannert: Als Zuschauer sollte man bei der „Erze“ auf jeden Fall die Wanderschuhe einpacken. Bei vielen Prüfungen lohnt es sich ein bisschen zu laufen, um schöne Punkte zu erreichen. Mein Tipp: Stellen mit langer An- und Wegfahrt der Rallyeautos. Denn dort entfaltet sich die eindrucksvolle Soundkulisse des Porsche besonders gut. Auch ein Abstecher in den Servicepark in Stollberg gehört unbedingt dazu. Dort lassen sich die neuen Autos aus nächster Nähe bestaunen und man kommt mit den Fahrern ins Gespräch.