„Rechts 5 voll, 80, links 3 minus“ – wenn Ella Kremer Kommandos gibt, hört der fünffache Deutsche Meister Marijan Griebel ganz genau zu. Die 27-Jährige aus Crivitz in Mecklenburg-Vorpommern sitzt seit 2025 als Co-Pilotin in der DRM neben Griebel und sagt, wo es langgeht.
Das liegt ihr im Blut. Ihr Großvater fuhr Rallyes, die Großmutter saß daneben. Ihr Vater Armin Kremer ist dreimaliger Deutscher Meister, Europameister und APRC-Champion. Rallye war bei den Kremers nie Hobby. Es war Alltag. „Der Sport ist bei uns einfach normal“, sagt Ella. Entsprechend gelassen reagiert die Familie, wenn sie an einem Wochenende wieder mal im Rallyeauto sitzt.
Unter der Woche ist Ella eine andere: Nach ihrer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau und einem BWL-Studium kümmert sie sich im Familienbetrieb „Mecklenburger Landpute“ ums Marketing. Am Wochenende sitzt sie im Škoda Fabia RS Rally2 neben dem fünffachen Deutschen Meister und startet für das Team Pole Promotion. Mit jedem Kommando entscheidet sie über Sieg oder Niederlage.
Die Zusammenarbeit mit Griebel hat Geschichte. 2016 fuhren beide ihr erstes WRC-Rennen zusammen – Ella war 17. Fast zehn Jahre später meldete sich Griebel erneut, diesmal für die komplette DRM-Saison. Sie zögerte nicht. Was wie Beifahren klingt, ist jedoch knallharte Arbeit. Vor jeder Prüfung fahren die beiden die Strecke im Serienfahrzeug ab, notieren jede Kurve, jeden Kamm, jede Engstelle. Was dabei entsteht, liest Ella später im Rallyeauto vor – im richtigen Moment, im richtigen Rhythmus. Bei 150 km/h bleibt keine Zeit für Fehler. Eine falsche Ansage, ein Kommando zu spät – und die Prüfung ist gelaufen. Im schlimmsten Fall mehr als das. Angst? Kein Thema. „Man darf auf keinen Fall mit Angst ins Auto steigen.“ Das ist kein Spruch. Das ist ein Grundsatz.
Was das Duo so stark macht, ist das Vertrauen. Auch wenn nach einer Prüfung besprochen wird, was besser laufen könnte, stärkt das die Zusammenarbeit eher. Selbst ans Steuer? Kein Gedanke. „Als Co-Pilotin kann ich den Sport genauso intensiv erleben. Im Moment macht mir mein Job zu viel Spaß, um daran zu denken.“
Familienfeeling steht im Vordergrund
2024 wurde sie gemeinsam mit ihrem Vater und dem Team von Baumschlager Rallye & Racing Weltmeisterin im WRC Masters Cup. „Das war wirklich das absolute Highlight – wenn der ganze Aufwand am Ende zum Titel führt, ist das ein wunderschöner Moment.“ Ein Jahr später folgte der DRM-Titel mit Griebel. Zwei Meisterschaften in zwei Jahren – und bei beiden steht am Ende das Gleiche im Vordergrund: die Menschen. „Man freut sich jedes Mal, die Leute wiederzusehen. Das ist wie eine kleine Familie“, schwärmt Kremer.

