ADAC Supermoto·3.7.2012

Ein Wochenende voller Turbulenzen: Internationale Deutsche Supermoto Meisterschaft 2012 in Stendal

Das zwölfte internationale Supermoto auf dem Stendaler Flugplatz startete am Samstag bei ausgesprochen schwülem Sommerwetter. Die Rechnung für diesen heißen Tag kam prompt, als das Fahrerlager während der Nacht zum Sonntag von einem Unwetter überfallen wurde. Viele der rund 200 Teilnehmer dieser Veranstaltung hatten daher am Morgen einiges an Aufräumarbeit zu leisten, und auch der Veranstalter musste die 1800 Meter lange Strecke wieder auf Vordermann bringen. Der Start in den Rennvormittag wurde dennoch nur geringfügig verzögert und die zahlreichen Zuschauer bekamen von dem Treiben der Nacht kaum etwas mit. Ganz im Gegenteil, sie bekam einen ausgesprochen spannenden Rennsonntag geboten.

S1 - Class und Kejmar im Zwist

Markus Class konnte das Zeittraining der S1 Klasse vor Pavel Kejmar, Jürgen Künzel und Maik Voorwinden für sich entscheiden, und startete somit von der heiß begehrten Pole Position. Class und Kejmar waren sich schon beim vergangenen Event im Jahr 2011 auf dieser Strecke in die Quere gekommen. Der Abstand von Class zu Kejmar betrug im Zeittraining gerade mal 0,2 Sekunden, weswegen mit einem heftigen Schlagabtausch der beiden zu rechnen war. In der zweiten Startreihe folgten Markus Volz, Michi Herrmann, Manuel Hagleitner und Nico Joannidis.

Beim Start des ersten Rennens hatte Class direkt die Nase vorne. Kejmar war unmittelbar dahinter, gefolgt von Markus Volz, Jürgen Künzel, Michi Herrmann und Maik Voorwinden. Doch Class sollte seine Führung nur bis zum Offroad halten können. Dort tat es Kejmar wie im Vorjahr und blockte den Wormser bei der Anfahrt zum letzten Table. Class lag nun hinter Volz auf dem dritten Rang vor Künzel und Herrmann, die um die vierte Position kämpften. Die drei an der Spitze zeigten in den kommenden Runden einen verbissenen Kampf, bei dem Class in der vierten Runde im Offroad an Volz vorbei sprang, um die direkte Verfolgung von Kejmar aufzunehmen.

In der achten Runde kam es dann zum Show-Down und Class wollte es endgültig wissen. Entlang der Gegengeraden zu Start und Ziel beschleunigte er sich auf gleiche Höhe mit Pavel Kejmar und versuchte den Tschechen außen herum zu überholen. Dies missglückte jedoch gewaltig, da Kejmar nicht nachgab und seine innere Linie stur beibehielt ohne Gas wegzunehmen. Die Konsequenz daraus war ein spektakulärer Sturz von Markus Class, der die Gemüter anheizen sollte. Class beendete das Rennen als 16. und protestierte anschließend offiziell gegen die Manöver seines Kontrahenten Kejmar. Die Rennleitung lehnte den eingereichten Protest allerdings ab. Jürgen Künzel, der zwischenzeitlich aufgrund eines Fahrfehlers zurück gefallen war, stürzte in der zwölften Runde an der gleichen Stelle wie Class. Da Künzel sich offensichtlich verletzt hatte und geborgen werden musste, entschied die Rennleitung das Rennen abzubrechen. Daher wurde der Stand von Runde zehn als Grundlage für die Laufwertung herangezogen. Pavel Kejmar, Markus Volz und Michi Hermann standen somit auf dem Treppchen, Maik Voorwinden und Nico Joannidis belegten die Plätze vier und fünf.

Der bestehende Streit zwischen Kejmar und Class ließ gewisse Vorahnung auf den zweiten Lauf zu. Class startete erneut am besten und fuhr als Führender in den Offroad ein, Kejmar direkt dahinter. Class wollte dieses Mal jedoch dem Block von Kejmar entgehen und wählte die innere Bahn, während Kejmar außen herum an ihm vorbeizog und erneut die Führung an sich riss. In der dritten Runde zeigte Markus Class Nerven und rauschte Kejmar an der Schikane vorm Offroad ins Heck. Kejmar konnte im hinteren Mittelfeld ins Rennen zurückkehren, während Class sich bei dieser Aktion verletzt hatte und geborgen werden musste. Da aber schon Morten Hagemann zu Boden gegangen war und zur Bergung anstand, musste dieses Rennen in der fünften Runde abgebrochen werden.

Ein Abbruch der besonders für Jürgen Künzel tragisch war, da er trotz seiner Fußverletzung aus dem ersten Rennen gerade deutlich in Führung lag. Doch auch nach dem Neustart, dieses Mal ohne Class, war Künzel gut dabei. Schon in der zweiten Runde bezwang er Pavel Kejmar am Ende der Start und Ziel Geraden und übernahm die Führung. Bis zur siebten Runde konnte sich Künzel gut vom Verfolger absetzen, stürzte dann aber in der gleichen Kurve in der er Kejmar vorher überholt hatte und reihte sich als Fünfter wieder ein.

Somit holte sich Pavel Kejmar auch den zweiten Sieg in der S1 Klasse, während Michi Herrmann und Markus Volz erneut mit Kejmar das Podium teilten. Dieses Mal schnappte sich allerdings Herrmann den zweiten Platz. Er kam beim Start schneller weg als Volz und hielt den Saarländer auch während des kompletten Rennenverlaufs hinter sich. Maik Voorwinden belegte Rang vier vor Künzel.

S1 Meisterschaftsstand nach 8 von 14 Rennen:

Pavel Kejmar (#71) / KTM - 161 Punkte

Jürgen Künzel (#74) / Aprilia - 152 Punkte

Markus Class (#111) / Suzuki - 143 Punkte

Markus Volz (#3) / KTM - 125 Punkte

Maik Voorwinden (#10) / KTM - 125 Punkte

Michael Herrmann (#5) / Husqvarna - 116 Punkte

Andre Plogmann (#26) / Suzuki - 115 Punkte

Nico Joannidis (#116) / Husaberg - 108 Punkte

Milan Sitniansky (#121) / Suzuki - 95 Punkte

Steffen Schmid (#80) / KTM - 95 Punkte

S2 - Jasinski scheint unschlagbar

Im Zeittraining der S2 waren beide Hauptakteure wie gewohnt an vorderster Front zu finden, und das obwohl Jasinski und auch Spaniol im Vorfeld herbe Schmerzen hinzunehmen hatten. Jasinski hatte eine Woche zuvor bei den belgischen Bilstain Masters einen schweren Sturz erlitten, nach dem er sich einige Tage Bettruhe gönnen musste. Detaillierte Crashuntersuchungen und ein umfassender ärztlicher Befund bescheinigten Jasinskis Unversehrtheit, weswegen er in Stendal antrat.

Dirk Spaniol holte sich seine Packung im zweiten Freien Training ab, als er eingangs Offroad im Flick Flak hinter dem ersten Sprung landete und sich dabei Kopf und Rippen anschlug. Aber dennoch schafften es die beiden an die Spitze der Startaufstellung. Jasinski auf Pole, Spaniol auf zwei, dahinter Jan Deitenbach und Kelvin Würterle. Jean-Marc Gaillard, Andre Prehn, Andreas Mikkelsen und Fredrik Eriksson starteten aus der zweiten Reihe.

Den Start ins erste Rennen gewann Jasinski deutlich, gefolgt von Jan Deitenbach und Jean-Marc Gaillard. Jasinski konnte sich allerdings relativ schnell von seinen Verfolgern absetzen und drehte ab dem vierten Umlauf einsam seine Runden. Doch auch Deitenbach konnte sich einen Abstand zum Belgier herausfahren, der seinerseits von Prehn, Würterle und Spaniol Druck bekam. Diesem konnte Gaillard nicht lange standhalten. Er baute in der fünften Runde einen Fehler ein und verlor dadurch gleich vier Plätze auf einmal. Nun lag Andre Prehn auf Podestkurs, doch Würterle und Spaniol ließen den Hamburger schnell ihre Schlagfertigkeit spüren. Sie gingen beide an Prehn vorbei und Spaniol bewältigte danach auch schnell Würterle.

Nun hatte Spaniol Deitenbach vor sich, und er packte seinen ehemaligen Teamkollegen in der vorletzten Runde am Ende der Start-Ziel Geraden. Deitenbach blieb aber dran und wurde auch prompt belohnt, als Spaniol an der Einfahrt zum Offroad erneut strauchelte. Bei dieser Aktion huschten sowohl Deitenbach als auch Würterle durch. Aber Spaniol steckte dennoch nicht auf und erkämpfte sich in der letzten Runde die dritte Position zurück. Jasinski, Deitenbach, Spaniol und Kelvin Würterle gefolgt von Andre Prehn. So das Ergebnis des ersten Rennens der S2.

Für das zweite Rennen hielt Spaniol eine besondere Überraschung parat. Den verpatzten Start aus Rennen eins lastete er seiner Kupplung an, weswegen er zwischen den Läufen schnell die Scheiben wechselte. Beim Weg in die Startaufstellung stellte er allerdings fest, dass einige der neu eingesetzten Kupplungsscheiben fehlerhaft waren. Also musste er jene schnell auswechseln und kam somit zu spät und musste von ganz hinten ins Rennen gehen.

Beim Start spurtete Jasinski erneut vorne weg, gefolgt von Deitenbach, Würterle und Danni Fuhrbach. Kevin Würterle machte bereits in der zweiten Runde den entscheidenden Angriff auf Deitenbach und zog entlang der Gegengerade am Iserlohner vorbei. Dieser beherzte Angriff sicherte ihm seinen ersten Podestplatz der Saison 2012. Deitenbach blieb zwar dran und fuhr so manches Manöver, doch er blieb auf dritter Position. Jean-Marc Gaillard erntete den vierten Platz und Andre Prehn wurde Fünfter.

S2 Meisterschaftsstand nach 8 von 14 Rennen:

1. Jochen Jasinski (#13) / Husaberg - 200 Punkte

2. Dirk Spaniol (#17) / Suzuki - 153 Punkte

3. Jan Deitenbach (#44) / Suzuki - 146 Punkte

4. Kevin Würterle (#7) / KTM - 144 Punkte

5. Fredrik Eriksson (#14) / Honda - 118 Punkte

6. Danni Fuhrbach (#178) / Aprilia - 112 Punkte

7. Andre Prehn (#62) / Husaberg - 90 Punkte

8. Jan Simon ter Heide (#25) / Suzuki - 84 Punkte

9. Toni Krettek (#51) / Suzuki - 81 Punkte

10. Alexander Köckritz (#232) / Suzuki - 81 Punkte