Der Waliser Ioan Lloyd gewinnt vor Tom Dufour die turbulente Rallye Vosges Grand-Est. Claire Schönborn gelingt als zweiter Frau im Elektro-Cup der Sprung aufs Siegertreppchen. Auftaktsieger Timo Schulz wird vom französischen Toptalent Tom Dufour bis ans Limit gefordert und vergibt Rallye-Triumph kurz vor Ziel.
Atemberaubende Kulisse, tückischer Asphalt und ein Sekundenkrimi der Extraklasse: Der zweite Wertungslauf des ADAC Opel GSE Rally Cup 2026 im Rahmen der traditionsreichen Rallye Vosges Grand-Est entwickelte sich zu einem spektakulären Schlagabtausch. Im Mittelpunkt des elektrisierenden Geschehens rund um das französische Gérardmer stand das packende Duell zwischen dem deutschen Meisterschaftsführenden Timo Schulz, dem französischen Heißsporn Tom Dufour und dem Waliser Ioan Lloyd. Die drei Piloten trieben den neuen Opel Mokka GSE Rally bis in die Belastungsgrenze und bewiesen eindrucksvoll das enorme Potenzial der neuen eRally5-Generation.
Timo Schulz und seine Beifahrerin Maresa Lade gingen nach ihrem Auftaktsieg bei der ELE Rally mit breiter Brust an den Start. Der Franzose Tom Dufour – zusammen mit Co-Pilot Alex Dubois – nutzte seinen Heimvorteil aus und setzte mit aggressivem Fahrstil den Champion von 2022 permanent unter Druck - was zu Schnitzern auf beiden Seiten führte. Am Ende nutzten sich die Waliser Ioan Lloyd und Sion Williams im Mokka GSE Rally von Vauxhall UK den Vorteil und fuhren dank konstanter Leistung den Sieg bei der Asphalt-Hatz rund um Gérardmer ein. „Vauxhall hier in Frankreich vor dieser Fankulisse ganz oben auf dem Podest repräsentieren zu dürfen, ist ein ganz spezielles Gefühl und macht uns sehr stolz", strahlte der 23-jährige Lloyd. „Es war ein sehr intensives, herausforderndes Wochenende. Die vielen Cuts haben allen das Leben sehr schwer gemacht. Noch immer lernen wir im Elektro-Mokka auf jedem Kilometer dazu. Umso glücklicher sind wir über diesen Sieg."
Dass die alte Motorsport-Weisheit „to finish first, you first you have to finish" nach wie vor Gültigkeit hat, bewiesen Timo Schulz und seine Beifahrerin Maresa Lade. Komfortabel in Führung liegend, rutschten sie in der vorletzten Wertungsprüfung mit solidem Zeitvorsprung von der Strecke und sorgte damit für ein abruptes Ende ihrer vorhergegangenen Erfolgsserie. " Auf diesem harten Asphalt darfst du dir nicht den kleinsten Fehler erlauben. Wir hatten alles im Griff, bis beim Anbremsen einer schnellen Links kurz vor Ende die Räder blockiert haben. Wir sind in einen Graben gerutscht und haben uns die Spurstange abgerissen", analysierte Schulz. Und weiter: "Das war ein absolut verrücktes Wochenende! Tom hat im Mokka GSE Rally eine unglaubliche Geschwindigkeit vorgelegt und uns wirklich alles abverlangt. Genau so muss ein echter Titelkampf aussehen."
Die anspruchsvollen Wertungsprüfungen und die kompromisslose Gangart der elektrischen Truppe forderten ihren Tribut. Dufour/Dubois fuhren in der ersten Wertungsprüfung am Samstag gleich die Bestzeit ein, ließen in der folgenden WP jedoch einen Ausrutscher folgen. Zu ihrem Glück schafften es die Franzosen zurück in den Service nach Gérardmer, wo ihren Mechanikern das Kunststück gelang, den Mokka GSE Rallye bis zur nächsten Prüfung wieder fit zu machen. Am Ende wurden die Mühen mit Rang 2 belohnt. „Die Rallye war extrem schwierig und hielt den einen oder anderen Rückschlag für uns bereit. Dennoch können wir zufrieden sein. Die Pace war wirklich gut, und der zweite Podestplatz in Serie ist ein schöner Erfolg", so der 20-jährige Dufour.
Als genaues Gegenstück zeigte sich dagegen Claire Schönborn, die mit konstanter Leistung als Gesamtdritte ins Ziel kam. Damit gelingt ihr als zweiter Frau im Elektro-Cup der Sprung aufs Siegertreppchen. „Ich kann es noch gar nicht fassen", strahlte die 26-Jährige Hunsrückerin. "Die Rallye hier war ein echtes Auf und Ab. Gestern kam ich schwer in den Rhythmus, aber heute konnten wir vieles besser machen. Die letzten WP-Zeiten waren so, wie ich mir das erhofft hatte. Wir hatten zwar auch den einen oder anderen Aha-Moment, sind aber ohne gravierende Schnitzer durchgekommen. Ich bin sehr glücklich."
Derweil spielten sich im Feld der 15 Rüsselsheimer Stromer einige Dramen ab. Vor allem die zweite Sonntags-Prüfung (WP9) hatte es in sich. Zunächst handelten sich Dufour/Dubois ebenso wie Alex Español/Enrique Velasco an einem der vielen Cuts jeweils einen Reifenschaden ein. Während sich die Franzosen ins Prüfungsziel schleppen und den Rückstand in Grenzen halten konnten, mussten die Spanier zum Reifenwechsel anhalten und verloren mehr als sieben Minuten. Die Deutschen Lars Stütz/Jana Schreiber sorgten hingegen mit einem fulminanten, glücklicherweise glimpflich verlaufenen Highspeed-Quersteher für eine blockierte Fahrspur und einen Abbruch der Prüfung.
Schon am Sonntagmorgen hatte sich die niederländisch-belgische Paarung Max van Empel/Eddy Smeets an einer Böschung eine Radaufhängung abgerissen. Noch ärger erwischte es Valentino Ledda und Copilot Claudio Mele, die sich am Samstagnachmittag in WP6 nach einer Sprungkuppe bei hoher Geschwindigkeit überschlugen. Ein ähnliches Unglück widerfuhr Luka Wlömer und Philipp Schmidt. Nach einer bis dato großartigen Leistung auf Platz 4 liegend, flogen die Rookies aus Berlin wenige Kilometer vor dem Ziel der Rallye vehement von der Piste. Dank des hohen Sicherheitsstandards des Opel Mokka GSE Rally blieben alle Havaristen unverletzt.
Auch Calle Carlberg sah bei seinem Comeback als Gaststarter im ADAC Opel GSE Rally Cup nicht das Ziel. In WP 7 traf der Schwede einen Stein, der neben einem Reifen auch die Lenkung des Mokka GSE Rally beschädigte. Zwar schafften der Cup-Champion 2023 und Junior-Europameister 2025 und sein Vater und Beifahrer Torbjörn noch den Rückweg zum Opel-Servicepark, mussten dort die Rallye aber beenden. „Ich hatte mich im Auto sehr wohl gefühlt, die Pace war gut", schilderte Carlberg. „Leider habe ich bei rund Tempo 150 leicht einen Betonbrocken erwischt – kleiner Fehler, große Wirkung. Als ich die Einladung zu diesem Einsatz bekam, wusste ich, dass es hart werden würde. Ich kenne viele der Fahrer aus internationalen Serien. Also war mir klar, was uns bevorstehen würde. Aber ich muss sagen: Der Level im ADAC Opel GSE Rally Cup ist höher denn je. Ich habe mich unheimlich gefreut, hier starten zu dürfen. Es hat sich angefühlt, wie nach Hause zu kommen."
Die hohe Pace im Feld ließ auch Opel-Motorsportchef Jörg Schrott nicht unbeeindruckt: „Zum einen ist die Rallye Vosges Grand-Est eine großartige Veranstaltung mit tollen Wertungsprüfungen, die Fahrern und Fahrzeugen alles abverlangen. Zum anderen sehen wir in dieser Saison ein Teilnehmerfeld im Cup, wie wir es auf diesem Niveau und in dieser Dichte noch nie hatten. Es macht Spaß mitzuverfolgen, wie an der Spitze um jede Zehntelsekunde gefightet wird. Dass dabei auch einmal ein Ausrutscher oder Unfall passiert, liegt in der Natur der Sache und ist Teil des Lernprozesses eines jungen Fahrers. Unser Mokka GSE Rally hat sich toll geschlagen und seine Wettbewerbsfähigkeit demonstriert Und wir freuen uns, dass mit Alpine ein zweiter Hersteller den Schritt in den elektrischen Rallyesport gegangen ist. Erstmals war eine Rallye Schauplatz zweier elektrischer Markenpokale. Umso stolzer dürfen Opel und ADAC auf ihre Vorreiterrolle sein."
Ergebnis Rallye Vosges Grand-Est/F
1. Ioan Lloyd/Sion Williams (GB) 1:16:21,1 h 2. Tom Dufour/Alex Dubois (F) +8,5 sec 3. Claire Schönborn/Michael Wenzel (D), +1:43,7 min 4. Dante Johansson/Theo Bergsten (S), +2:26,6 min 5. Lukas Wilhelm/Christina Ettel (A) +3:01,5 min 6. Fabian Kamermans/Stefan Müller (NL) +3:17,0 min 7. Thyrsa Eertmans/Els Ons (B), +5:24,7 min 8. Alex Español/Enrique Velasco (E), +8:17,4 min 9. Christian Luif/Maximilian Kugler (A/D), +8:35,6 min
Stand ADAC Opel GSE Rally Cup (nach 2 von 7 Wertungsläufen)
1. Lloyd 60 Punkte. 2. Dufour 58. 3. Schulz 35. 4. Kamermans 35. 5. Johansson 31. 6. Schönborn 29. 7. Español 28. 8. Eertmans 20. 9. Wilhelm 16. 10. Stütz 14. 11. Luif 13. 12. Wittenbeck 12. 13. Wlömer 6.



