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ADAC MX Masters·8.7.2026

Sarholz Reloaded

Wenn im Fahrerlager des ADAC MX Masters der Name Sarholz fällt, dann schwingt immer ein Stück deutscher Motocross-Geschichte mit. Kaum ein anderes Team steht so sehr für Kontinuität, Leidenschaft und sportlichen Erfolg über mehrere Jahrzehnte hinweg. Doch das Sarholz Racing Team ist längst nicht nur ein Relikt vergangener Tage – es hat sich neu erfunden. Mit André Sarholz an der Spitze wurde das Team in den vergangenen Jahren gezielt umstrukturiert und modern ausgerichtet, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren. Das geschah nicht laut, nicht radikal – sondern Schritt für Schritt, mit klarem Blick für das, was funktioniert und dem Gespür dafür, was sich verändern muss.

Die Sarholz-Teamkollegen Tom Koch (226) und Noah Ludwig (300) im Battle um den Red Bull Holeshot © Foto: ADAC

Von den Anfängen zur Institution

Die Geschichte des Teams aus dem Westerwald reicht zurück bis in die Mitte der 1980er-Jahre. Gegründet wurde es von Burkhard Sarholz und alles begann im kleinen Rahmen und – wie so oft im Motocross - aus purer Leidenschaft. Über Jahrzehnte hinweg entwickelte sich das Sarholz Racing Team zu einer festen Größe im deutschen Motocross. Burkhard selbst war motorsportlich aktiv, fuhr unter anderem Rennen auf Quads und den legendären „Trikes“ mit den drei dicken Ballonreifen. Seinen Enkel André lässt das bis heute schmunzeln: „Ich konnte mir das nie vorstellen, bis ich irgendwann Bilder gesehen habe, wie er wirklich da bei so einem Rennen stand.“ Diese familiäre Verwurzelung ist bis heute spürbar. Motocross war in der Familie Sarholz nie nur ein Sport – es war immer Teil des Lebens.

Die Honda-Jahre: Erfolg als Leitmotiv

In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren machte sich das Team Sarholz mit Honda einen Namen. Es war die Zeit, in der sich das Team endgültig im Spitzenbereich etablierte. Internationale Fahrer, insbesondere aus dem Benelux-Raum wie Gert Jan van Doorn, Danny Theybers und mehr prägten das Bild ebenso wie deutsche Top-Piloten wie Didi Lacher, Bernd Eckenbach und Colin Dugmore. Der Gewinn des ersten ADAC MX Masters-Titels 2005 durch Ken De Dycker markierte den letzten Höhepunkt der Honda-Ära.

Doch es waren nicht nur Titel, die das Team auszeichneten. Es war die Art und Weise, wie gearbeitet wurde. Die Philosophie unter Burkhard Sarholz war klar: sportlicher Erfolg stand im Mittelpunkt. „Win on Sunday, sell on Monday“. Motorsport war in erster Linie Leistungssport, Marketing spielte eine deutlich kleinere Rolle als heute. Gleichzeitig war das Team bekannt für seine technischen Möglichkeiten. Dank hervorragender Kontakte von Burkhard Sarhoz und dem damaligen Technikchef Wilhelm Würz zum Honda Werksteam und einem starken Netzwerk konnte Sarholz immer wieder auf Teile und Entwicklungen zurückgreifen, die nicht jedem zugänglich waren. Diese Möglichkeiten waren und sind nach wie vor eine wichtige Stärke des Teams.

om Koch hat zurück im Sarholz-Team wieder gut lachen und konnte in Tensfeld einen Laufsieg erzielen © Foto: ADAC

Der Wechsel zu KTM: Eine richtungsweisende Entscheidung

Mitte der 2000er-Jahre folgte ein entscheidender Schritt: der Wechsel zu KTM. Auslöser war ein Angebot des österreichischen Herstellers. Für viele Außenstehende kam der Wechsel überraschend – doch rückblickend war er richtungsweisend. Die Zusammenarbeit mit KTM erwies sich als stabil und erfolgreich - Bis heute ist sie ein zentraler Bestandteil des Teams. „Burkhard sagt mir bis heute immer wieder, dass er den Schritt nie bereute“, so André. Mit KTM eröffnete sich nicht nur sportlich eine neue Perspektive, sondern auch strukturell. Das Team entwickelte sich zunehmend zu einem professionellen Gesamtpaket aus Rennteam, Händler und Servicebetrieb. Motorräder, Ersatzteile, Fahrwerksservice – Sarholz wurde zur Komplettadresse für Motorrad-Enthusiasten, nicht nur im Offorad-Bereich. Heute ist man am Standort Niederroßbach Vertragshändler der Marken KTM, Husqvarna, Gasgas und CF Moto.

Generationswechsel: André übernimmt

Die jüngste große Veränderung folgte, als André Sarholz die Verantwortung übernahm. Anders als in vielen Familienbetrieben wurde dabei eine Generation übersprungen: Vom Großvater ging die Leitung direkt auf den Enkel über. Für André Sarholz war Motocross nie etwas, das er bewusst „entdeckt“ hat. Es war einfach immer da. „Ich war ja von Anfang an immer dabei, hab mich an unendlich viele Rennen erinnert“, erzählt er. Rennen, Fahrerlager, Mechaniker – all das gehörte für ihn schon früh zum Alltag. Doch die aktive Rolle im Team entwickelte sich erst später. Ab etwa 2014 wurde er von Burkhard stärker in Vertrags- und Organisationsfragen eingebunden, bevor André 2019 schließlich die Verantwortung für das Rennteam und das Unternehmen übernahm. Der Übergang verlief dabei fließend. Burkhard und Edith Sarholz sind weiterhin präsent und unterstützen im Hintergrund. Gleichzeitig hat André die Freiheit, die Ideen von ihm und seines Teams gemeinsam mit seiner engagierten Truppe umzusetzen.

Noah Ludwig findet zu gewohnter Form zurück und fühlt sich bei André Sarholz gut aufgehoben © Foto: ADAC

Evolution statt Revolution

Die Veränderungen unter André Sarholz sind bewusst gewählt. Es geht nicht darum, das Team neu zu erfinden, sondern es weiterzuentwickeln. „Die Anforderungen sind einfach höher geworden“, sagt er. Während früher sportliche Erfolge im Vordergrund standen, sind heute viele weitere Faktoren entscheidend. Sponsoren erwarten Sichtbarkeit, Inhalte und Mehrwert. Social Media, Branding und Kommunikation sind zu festen Bestandteilen des Teamalltags geworden. Dabei bleibt die Balance entscheidend. „Wir müssen die alte Struktur so ein Stück weit beibehalten, weil die gut ist. Auf der kann man super aufbauen.“ Gleichzeitig gehe es darum, „an ein paar Stellschrauben zu drehen“, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Das Team hat seine Präsenz ausgebaut, Inhalte geschaffen und sich moderner aufgestellt. Gleichzeitig blieb ein Grundprinzip unangetastet: Qualität. Der Name Sarholz soll weiterhin für hochwertige Motorräder, perfektes Setup und professionelle Betreuung stehen.

Der neue Fokus: Nachwuchs und Identifikation

Eine der prägendsten Entscheidungen der vergangenen Jahre betrifft die Fahrerstrategie. Während früher internationale Topfahrer im Mittelpunkt standen, liegt der Fokus heute stärker auf deutschsprachigen Talenten. Für André Sarholz war das eine bewusste Entscheidung: „Ich persönlich möchte gerne deutsche Nachwuchspiloten weiterentwickeln.“ Gleichzeitig sieht er darin auch eine Verantwortung: „Wir müssen als deutsches Team auch gucken, dass wir die deutschen Talente international unterstützen.“ Diese Ausrichtung bringt Herausforderungen mit sich, denn Erfolg stellt sich so nicht immer sofort ein, Entwicklung braucht Zeit. Doch genau darin liegt für das Team der Reiz. Es geht nicht nur um kurzfristige Ergebnisse, sondern um nachhaltigen Aufbau. Natürlich ist das Ziel im ADAC MX Masters, den Titel zu gewinnen, während die jüngeren Rennklassen dazu dienen, den Racing-Nachwuchs zu entwickeln.

Deutsche Nachwuchsfahrer wie Mika Plaas gehören ausdrücklich zum Konzept des KTM Sarholz Racing Teams © Foto: ADAC

Tom Koch und Noah Ludwig: Zwei Gesichter des Teams

Im ADAC MX Masters repräsentieren aktuell vor allem Tom Koch und Noah Ludwig die Farben des Teams. Tom Koch kehrte 2026 nach ein paar Jahren zum Team zurück und steht für Erfahrung und Professionalität. Seine Entscheidung für Sarholz war bewusst und klar. Für ihn zählt das Gesamtpaket – ein Umfeld, in dem er sich wohlfühlt und seine Leistung abrufen kann. Noah Ludwig hingegen ist ein Paradebeispiel für die Nachwuchsarbeit des Teams. Sein erster ADAC MX Masters-Gesamtsieg in Mölln 2025 gehört für André zu den emotionalsten Momenten der letzten Jahre. „Das war ein besonderer Moment irgendwie“, erinnert er sich, „da war ich emotional schon ein bisschen angefasst, weil die Zusammenarbeit mit Noah ein absolutes Herzensprojekt ist.“ Doch das Team beschränkt sich nicht auf die Topklasse. Auch im ADAC MX Youngster Cup und in den ADAC MX Junior Cup-Klassen ist Sarholz mit Fahrern wie Lyonel Reichl, Linus Jung, und Leon Rudolph breit aufgestellt. Junge Fahrer erhalten hier die Möglichkeit, sich unter professionellen Bedingungen zu entwickeln – oft der erste Schritt in Richtung Spitzenklasse.

Das Erfolgsgeheimnis: Detailarbeit und Vertrauen

Was Sarholz seit Jahrzehnten auszeichnet, ist die Liebe zum Detail. „Wir stellen dem Fahrer nicht einfach ein Motorrad hin und sagen, damit musst du jetzt fahren“, erklärt André. Stattdessen werde über den Winter intensiv daran gearbeitet, für jeden Fahrer individuell das bestmögliche Setup zu entwickeln. Die Mechaniker wie Nino Zimmermann und Gerrit Knipprath zeigen dabei oft über die normale Arbeitszeit hinaus viel Leidenschaft und Einsatz. Gleichzeitig spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. Fahrer sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren können. „Im besten Fall kommt der Fahrer zum Rennen und muss sich gar keine Gedanken um irgendwas anderes machen“, beschreibt André den Anspruch. Dieses Gesamtpaket aus Technik, Betreuung und Umfeld ist es, das viele Fahrer überzeugt – und das immer wieder dazu führt, dass ehemalige Piloten zurückkehren wollen.

ADAC MX Masters: Die wichtigste Bühne

„Das ADAC MX Masters ist unsere Kernmeisterschaft“, sagt André, ohne zu zögern. Hier will man präsent sein, hier will man erfolgreich sein und das vor heimischem Publikum. Die Serie ist nicht nur sportlich relevant, sondern auch für Partner und Sponsoren von zentraler Bedeutung. Internationale Einsätze wie in der Weltmeisterschaft dienen dazu, die Intensität zu erhöhen und sich optimal auf die Masters-Rennen einzustellen.

Leidenschaft, die bleibt

Bei aller Struktur und Professionalität ist es letztlich die Leidenschaft, die das Team antreibt. Für André Sarholz ist Motocross kein Beruf im klassischen Sinne. „Sobald ich zum Rennen fahre, ist es für mich einfach immer was Besonderes“, sagt er. Egal, wie stressig die Woche war – an der Strecke fühlt es sich richtig an. „Man kommt da an und denkt: Hier gehört man hin.“ Diese Begeisterung ist es, die das Team zusammenhält und antreibt. Sie zeigt sich in langen Arbeitstagen, in Gesprächen bis spät in die Nacht und in der Bereitschaft, immer noch ein bisschen mehr zu investieren.

Blick nach vorn

Die Zukunft sieht André Sarholz mit Zuversicht. Das Ziel ist klar formuliert: „Wir wollen auch in zehn Jahren noch um Meisterschaften fahren.“ Der Weg dorthin führt über kontinuierliche Weiterentwicklung. Nicht alles lässt sich sofort umsetzen, vieles braucht Zeit. Doch die Richtung stimmt. Mit einem starken Partner, einer klaren Strategie und einer neuen Generation an der Spitze ist das Team bestens aufgestellt, um auch in Zukunft eine prägende Rolle im deutschen Motocross zu spielen.

„Sarholz Reloaded“ steht damit nicht für einen Neuanfang, sondern für eine gelungene Weiterentwicklung. Für ein Team, das seine Geschichte kennt – und genau deshalb bereit ist, die Zukunft aktiv zu gestalten. Und eines ist sicher: Solange im Fahrerlager Leidenschaft, Präzision und Teamgeist zählen, wird auch der Name Sarholz nicht verschwinden. Und wie es genau hinter den Kulissen des Teams zugeht, wird man im Laufe dieser Saison in der zweiten Staffel der Video Doku „Next Level“ auf dem YouTube-Kanal von benzim genau mitverfolgen können.