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ADAC MX Masters·30.4.2026

Think different: Cat Moto KTM Bauerschmidt

Wenn man das Cat Moto KTM Bauerschmidt Team beschreiben möchte, dann reicht es nicht, von einem klassischen Rennteam zu sprechen. Vielmehr handelt es sich um ein strukturiertes Entwicklungsprojekt – eine internationale Kaderschmiede für die 250ccm-Klasse, die bewusst einen anderen Weg geht. Oder, wie es intern formuliert wird: „Think different.“

Das Cat Moto Bauerschmidt KTM-Team ist ein absolutes Powerhouse in der 250 ccm Kategorie © Foto: ADAC
Drei Köpfe, eine Idee

Hinter dem Team steht ein bewusst zusammengestelltes Führungstrio mit klar verteilten Rollen. André Stumpf bringt seinen Background aus dem Coaching und der Fahrerentwicklung ein, die er in den vergangenen über zehn Jahren mit der Pro Sports Alliance gewonnen hat und nach wie vor ausweitet. Thomas Bauerschmidt verantwortet den technischen Bereich rund um die Motorräder und der Schweizer Hans Rudi Berger fungiert als Teamchef, Unterstützer, strategischer Partner und kümmert sich um die Sponsorenkommunikation. Die Idee für das Team entstand aus einer einfachen, aber entscheidenden Beobachtung: „Ich hatte immer das Gefühl, man könnte noch mehr aus einem Fahrer rausholen, wenn alle in die gleiche Richtung arbeiten“, erklärt Stumpf. Und aus dem einen Satz von Hans Rudi "Ich wollte schon immer mal ein Team machen" hat sich das Ganze dann für die Saison 2024 entwickelt. Das Cat Moto Team war geboren und es entstand ein System, das weit über den klassischen Teamgedanken hinausgeht.

Mads Fredsoe ist der amtierende ADAC MX Youngster Cup Champion, dadurch aber nicht automatisch der Teamleader © Foto: ADAC
Eine Plattform für internationale Talente

Das aktuelle Fahrertrio mit dem amtierenden ADAC MX Youngster Cup-Champion Mads Fredsoe, dem Australier Liam Owens und dem italienischen Neuzugang Francesco Bellei unterstreicht den internationalen Anspruch des Teams. Junge Talente aus verschiedenen Ländern werden gezielt aufgebaut und an die Spitze herangeführt. Dabei spielt die Nationalität eine untergeordnete Rolle – entscheidend ist das Potenzial und die Bereitschaft, sich in das System einzufügen. Cat Moto versteht sich nicht als nationales Förderteam, sondern als Plattform für ambitionierte Fahrer, die den nächsten Schritt machen wollen.

Sportlich bewegt sich das Team klar im internationalen Umfeld. Neben der EMX-Serie spielt auch das ADAC MX Masters mit dem ADAC MX Youngster Cup eine wichtige Rolle im Rennkalender. Die Serie bietet starke internationale Konkurrenz und dient gleichzeitig als Plattform, um sich unter Rennbedingungen weiterzuentwickeln. Ebenso bringt die Kombination aus nationalen und internationalen Einsätzen auch Herausforderungen mit sich, insbesondere durch den dichten Rennkalender und die hohe Belastung für Fahrer und Team. Hier gilt es, die richtige Balance zwischen Einsatz und Regeneration zu finden – ein Aspekt, der im modernen Motocross immer wichtiger wird.

Franceso Bellei bringt als neuer Teamfahrer 2026 viel Style und Flair in das Team © Foto: ADAC
Die Basis als Herzstück

Die Basis des Teams liegt etwas westlich von Roermond in den Niederlanden – bewusst gewählt, um Training, Organisation und Technik an einem Ort zu bündeln. Von hier aus wird der gesamte Betrieb gesteuert. Die Fahrer leben alle am Teamstützpunkt. Die Mechaniker, Motorräder, Trainingsstruktur und Organisation greifen hier ineinander und ermöglichen eine enge Betreuung der Fahrer im Alltag. Anders als bei vielen Teams beschränkt sich die Zusammenarbeit nicht auf die Rennwochenenden, sondern findet kontinuierlich auch unter der Woche statt. Genau darin liegt eine der größten Stärken des Projekts: die Fahrer werden nicht nur betreut, sondern gezielt entwickelt.

Der Fokus auf die 250ccm-Klasse ist dabei kein Zufall, sondern ein zentraler Bestandteil der Philosophie. In dieser Phase ihrer Karriere bringen Fahrer bereits ein hohes Grundniveau mit, gleichzeitig sind sie noch offen für Entwicklung und eine intensive Betreuung. „Das ist die Altersgruppe, in der man am meisten Potenzial hat, um wirklich etwas zu bewegen“, lässt sich Stumpfs Ansatz zusammenfassen. Gleichzeitig erlaubt die Konzentration auf eine Klasse, alle Ressourcen gezielt zu bündeln – sowohl in der Fahrerentwicklung als auch bei der technischen Arbeit am Motorrad. Gerade im internationalen Vergleich mit größeren Teams ist dieser klare Fokus ein entscheidender Vorteil.

Volles Programm anstatt Rennservice

Was Cat Moto von vielen anderen Teams unterscheidet, ist die konsequente Umsetzung eines ganzheitlichen Ansatzes. Neben dem Fahrtraining spielen Fitness, mentale Betreuung und Performance-Coaching eine zentrale Rolle. Mit einem eng abgestimmten Netzwerk aus Trainern, Physios und zusätzlichen Spezialisten entsteht ein Umfeld, in dem sich die Fahrer sowohl sportlich als auch persönlich weiterentwickeln können. Dabei geht es nicht nur um Rundenzeiten, sondern um das Gesamtpaket. Die Fahrer leben und trainieren gemeinsam, verbringen viel Zeit miteinander und wachsen dadurch auch als Team zusammen.

Konkurrenz, auch unter der Woche beim Training, ist ein Grundbaustein des Cat Moto-Konzepts © Foto: ADAC
Konkurrenz als Teil des Konzepts

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Systems ist die interne Konkurrenz. Mehrere starke Fahrer trainieren zusammen, pushen sich gegenseitig und stehen am Rennwochenende dennoch als direkte Konkurrenten am Start. Die Intensität im Training soll so hoch wie möglich sein, solange sie kontrolliert bleibt. Das bemerkenswerte ist: trotz dieser Dauerintensität ist die Stimmung im Team und auch unter den Fahrern sehr gut. Doch das ist kein Zufall. Denn es wird großer Wert auf Kommunikation gelegt. Regelmäßige Gespräche und eine bewusste Fahrerauswahl sorgen dafür, dass die Dynamik innerhalb des Teams funktioniert. Nicht jeder schnelle Fahrer passt automatisch in dieses System – Charakter und Mentalität spielen eine ebenso wichtige Rolle wie das sportliche Potenzial.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte sich in der vergangenen Saison eindrucksvoll, als das Team im ADAC MX Youngster Cup in Bitche mit Mads Fredsoe, Liam Owens und Nico Greutmann gleich alle drei Podiumsplätze belegte und dabei auch alle drei Laufsiege erzielte. Das hat es vorher im gesamten ADAC MX Masters noch nie gegeben. Das Ergebnis kam für Außenstehende vielleicht überraschend, wurde intern jedoch als logische Konsequenz gesehen. „Das war ein klares Ziel vor der Saison“, so Stumpf. Für das Team war es weniger ein Ausreißer als vielmehr eine Bestätigung der eigenen Arbeitsweise.

Der Australier Liam Owens hat sich im Rahmen des Teams in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt © Foto: ADAC
Anders denken – auch abseits der Strecke

Auch abseits der Strecke verfolgt Cat Moto einen bewusst anderen Ansatz. Der Name, das visuelle Erscheinungsbild mit den pinken Akzenten an den Motorrädern und im Teamauftritt und die gesamte Außendarstellung sind darauf ausgelegt, aus der Masse herauszustechen. Statt klassischer Pressearbeit setzt das Team stark auf Social Media, Bewegtbild und eigene Formate. Mit Projekten wie der Videoreihe „The Rise“, die es in dieser Saison als Doku-Projekt auf dem YouTube-Kanal des Sponsors benzim zu sehen geben wird, wird gezielt Storytelling betrieben, um Partnern und Fans einen tieferen Einblick zu geben. „Wir wollen unseren eigenen Weg gehen und uns bewusst von anderen unterscheiden“, beschreibt Stumpf die Strategie. In einer Zeit, in der Sponsoren mehr erwarten als reine Logo-Präsenz, wird genau dieser Ansatz immer wichtiger.

Der Blick nach vorn

Der Blick in die Zukunft wird bewusst offen formuliert. Klare Ziele gibt es dennoch. „Wir wollen in der Klasse, in der wir starten, die Besten sein“, sagt Stumpf. Ob das langfristig auch andere Klassen oder sogar die Weltmeisterschaft einschließt, bleibt offen. Viel wichtiger ist die kontinuierliche Weiterentwicklung – als Team, als Organisation und im sportlichen Bereich. Am Ende lässt sich das Konzept auf einen einfachen Nenner bringen: Cat Moto denkt nicht in festen Strukturen, sondern in Möglichkeiten. Es geht nicht darum, bestehende Wege zu kopieren, sondern eigene zu entwickeln. Und genau das macht dieses Team so besonders. Think different.