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ADAC MX Masters·11.6.2026

Neue Herausforderungen nach dem Meistertitel

Toni Hoffmann: Der Deutsche Motocross-Meister entdeckt neue Wege.

Für Toni Hoffmann ist das ADAC MX Masters-Wochenende in Tensfeld ein Heimrennen, bei dem Familie, Freunde und viele bekannte Gesichter des 32-Jährigen aus Wismar an der Strecke stehen. In diesem Jahr tritt er als amtierender Deutscher Motocross-Meister der Klasse Open an – mit einer neuen Perspektive auf seine Karriere und einer zusätzlichen sportlichen Herausforderung im Gepäck.

Seine Sportlerkarriere hätte nach dem Erfolg beinahe eine ganz andere Wendung genommen. „Ehrlich gesagt habe ich letztes Jahr nach meinem Titelgewinn darüber nachgedacht, komplett mit dem Sport aufzuhören“, gibt Hoffmann offen zu. Ein Satz, der überrascht. Schließlich erfüllte sich der Fahrer des BVZ Racing Teams im vergangenen Jahr als Deutscher Meister in der Königsklasse des nationalen Motocross-Sports einen Kindheitstraum: „Da muss man ehrlich genug sein, dass es für mich wahrscheinlich nicht mehr besser wird. Was meine Mittel und Möglichkeiten angeht, war das mein Karrierehöhepunkt.“ Doch statt die Stiefel an den Nagel zu hängen, suchte er sich eine neue Herausforderung – und fand sie im Endurosport.

Sympathisch und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: Toni Hoffmann ist seit vielen Jahren fester Bestandteil des ADAC MX Masters © Foto: ADAC

Von der PW50 bis zum Meistertitel

Dass Motorsport einmal sein Leben prägen würde, war eigentlich vorgezeichnet. Bereits mit drei Jahren saß Hoffmann erstmals auf einem Motorrad. Sein Vater war früher beim legendären Teterower Bergring aktiv und wechselte später in den Endurosport. „Mein Vater hat mich immer mitgenommen. Ich bin dann mit meiner PW50 herumgefahren, wenn er unterwegs war“, erinnert er sich. Mit sechs Jahren bestritt er seine ersten Rennen und die Erfolgsliste ist lang. In Mecklenburg-Vorpommern gewann Hoffmann praktisch jede Landesmeisterschaftsklasse. Später folgten Erfolge bei den Cross Finals und starke Resultate in der Deutschen Meisterschaft. Der ganz große Durchbruch gelang jedoch erst 2025 mit dem Gewinn des DM-Titels in der Open-Klasse. „Der Tag selbst war eigentlich furchtbar“, sagt er heute und lacht. „Man ist angespannt, denkt die ganze Zeit darüber nach und steht permanent unter Druck. Aber als es dann geschafft war, war das natürlich ein unglaubliches Gefühl. Dafür trainiert man schließlich.“

Eine neue Liebe zum Enduro

Anstatt sich nach dem Titelgewinn zurückzulehnen, startet Hoffmann in dieser Saison nicht nur beim Motocross, sondern auch in der Deutschen Enduro-Meisterschaft. Ganz überraschend kommt dieser Wechsel allerdings nicht. Die Verbindung zum Endurosport besteht schon seit seiner Kindheit. Zudem ist auch das BVZ Racing Team von KTM-Händler Bert von Zitzewitz traditionell stark im Enduro-Bereich verwurzelt. „Ich hatte schon vor vielen Jahren meinen Motorrad-Führerschein gemacht“, erzählt Hoffmann. „In der vergangenen Saison habe ich dann einfach mal ein paar Enduro-Rennen ausprobiert und daraufhin hat mich der Ehrgeiz gepackt.“ Die Umstellung ist allerdings größer, als viele vermuten würden. „Die größte Herausforderung ist, aus dem Kalten heraus schnell zu fahren“, erklärt er. Während Motocross-Strecken trainiert und bekannt sind, wartet im Enduro hinter jeder Kurve eine neue Situation. „Da fährt man schnell mal zu optimistisch in eine Abfahrt oder verschätzt sich bei einer Kurve.“ Hinzu kommt eine weitere Baustelle, über die Hoffmann selbst schmunzeln kann: „Ich liege noch viel zu oft irgendwo im Busch oder fahre gegen Bäume. Das Sitzenbleiben müssen wir noch ein bisschen üben.“ Trotz aller Schwierigkeiten erkennt er bereits positive Effekte für sein Motocross-Fahren. Enduro zwingt ihn dazu, präziser zu arbeiten und das Motorrad bewusster zu platzieren. „Du lernst einfach, genau dahin zu fahren, wo du hinfahren möchtest.“

2026 hat sich Toni neben MX-Rennen in der Deutschen Enduro Meisterschaft eine neue Herausforderung gesucht © Foto: ADAC

Zwischen Baustelle und Rennstrecke

Seit November 2025 arbeitet Hoffmann Vollzeit im Familienunternehmen. Die Zeiten, in denen er sich neben dem Maschinenbau-Studium voll auf den Sport konzentrieren konnte, sind damit vorerst vorbei. Er kümmert sich heute unter anderem um die Koordination und Dokumentation beim Aufbau von Fernwärme-Übergabestationen. Der Spagat zwischen Beruf und Motorsport verlangt gutes Zeitmanagement, funktioniert bislang aber überraschend gut. „Ich habe zum Glück gewisse Freiheiten. Wenn ich morgens trainieren möchte, komme ich später und arbeite dann länger. Das lässt sich ganz gut kombinieren.“

Heimspiel in Tensfeld

Umso mehr freut sich Hoffmann auf Tensfeld. Auch wenn die Strecke nicht direkt vor seiner Haustür liegt, zählt sie für ihn zu den Heimrennen der Saison. „Da kommen Freunde und Familie vorbei, das macht es natürlich besonders.“ Hinzu kommt die enge Verbindung seines Teams zur Veranstaltung. BVZ Racing Team-Chef Bert von Zitzewitz zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Unterstützern des Motorsports im Norden und ist eng mit dem ADAC Schleswig-Holstein verbunden. Und wenn der Teamchef persönlich an der Strecke steht, macht sich das auch bei Hoffmann bemerkbar. „Wenn Bert da ist, geht man noch etwas anders an die Sache heran“, sagt Hoffmann mit einem Grinsen. „Da möchte man natürlich besonders gut performen.“ Sportlich bleibt er ehrgeizig. Sein Ziel für Tensfeld ist klar: „Ich möchte in Tensfeld erneut in die Punkte fahren.“

Nach eigener Einschätzung hat Toni mit dem DMX-Titel sein Karrierehighlight erreicht © Foto: ADAC

Der Flow als Antrieb

Was treibt jemanden an, nach über 25 Jahren im Rennsport immer noch neue Herausforderungen zu suchen? Für Hoffmann liegt die Antwort nicht in Pokalen oder Titeln. Es ist vielmehr dieses besondere Gefühl, das jeder Motocross-Fahrer kennt. „Wenn du einen richtig guten Trainingstag hast, alles funktioniert, jede Kurve passt und du komplett im Flow bist, dann denkst du an nichts anderes mehr“, beschreibt er seine Leidenschaft. „Dann fährst du abends glücklich nach Hause.“ Genau dieses Gefühl sucht Toni Hoffmann auch heute noch. Ob auf einer Motocross-Strecke, zwischen den Bäumen einer Enduro-Prüfung oder beim Heimrennen in Tensfeld. Der Deutsche Meister hat vielleicht sein größtes Karriereziel bereits erreicht. Doch die Freude am Motorradfahren und der Ehrgeiz, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, sind ungebrochen. Und genau deshalb dürfte man den sympathischen Norddeutschen noch eine ganze Weile an den Rennstrecken des Landes sehen.