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ADAC MX Masters·4.3.2026

Der Rückkehrer: Tom Koch weiß jetzt, was er will und braucht

Nach einer kompletten Saison in der Motocross-Weltmeisterschaft im Werksteam von Beta kehrt Tom Koch für die Saison 2026 in das ADAC MX Masters und zum Team seiner ersten großen Erfolge zurück, dem KTM Sarholz Racing Team. Zudem übernimmt er erstmalig die Rolle des Fahrersprechers beim ADAC MX Masters. Im Pre-Season Interview verrät „ToKo“, was er aus einer sportlich schwierigen MXGP-Saison Wertvolles mitnimmt und weshalb er sich stärker als je zuvor fühlt.

Nach einem schweren, aber lehrreichen Jahr in der MXGP blickt Tom zuversichtlich und gestärkt auf die Saison 2026 © Foto: ADAC

Willkommen zurück! Zunächst ein kurzer Rückblick: Wie verlief die MXGP-Saison 2025? Tom Koch: „Um ehrlich zu sein, sehr durchwachsen. Ich habe mir das ein bisschen anders ausgemalt. Aber es sind ein paar Dinge eingetreten, wodurch ich mich einfach nicht zu 100% wohl gefühlt habe. Und das hat dann auch nicht zu den Ergebnissen geführt, die ich mir vorgenommen habe und von denen ich weiß, dass ich dazu auch in der Lage bin.“

Was sind die Erfahrungen aus der Saison 2025? „Die letzten zwei Jahre waren nicht meine rosigsten Jahre, 2024 mit der Verletzung zu Saisonbeginn und 2025 mit dem neuen Team, wo es halt nicht so gut gelaufen ist. Das größte Learning aus dem vergangenen Jahr ist, dass ich nun weiß, was ich brauche, um mich wohlzufühlen und wie es sich anfühlt, das zu haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, wie es sich auf die Leistung auswirkt, wenn man sich nicht wohlfühlt. Ich denke, das wissen viele nicht, unterschätzen es oder es ist für manchen auch gar nicht so wichtig. Aber für mich besitzt es eine hohe Priorität und damit steht und fällt vieles. Wenn ich kein gutes Gefühl auf dem Motorrad habe und sich im Leben auch etwas falsch anfühlt, dann kann ich auch keine High Performance erwarten. So kam dann eines zum anderen. Diese Erfahrungen nehme ich mit in dieses Jahr. Ich gehe wieder etwas lockerer an manche Sachen heran und lege wesentlich mehr Fokus darauf, Spaß am Motorradfahren zu haben und es einfach zu genießen. Das ist mir letztes Jahr ziemlich schwergefallen.“

Wie kam es zur Rückkehr zum ADAC MX Masters und der Zusammenarbeit mit dem KTM Sarholz Racing Team? „Wir kennen uns ja schon von aus der Vergangenheit von meinem ADAC MX Youngster Cup Titelgewinn und der Zeit danach. Insbesondere mit dem Teamchef André Sarholz und meinem damaligen Mechaniker Gerrit Knipprath habe ich in den letzten Jahren immer noch Kontakt gehabt und wir haben uns einfach gut verstanden. Ich wusste immer, dass das Team gute Arbeit leistet, es gute Motorräder hat und ich vor allem auch extrem gut mit Gerrit auskomme, der nun wieder mein Mechaniker ist. Gerrit gibt alles und das war für mich auch ein großer Faktor bei der Entscheidung, damit ich mich wohlfühle und weiß, was ich bekomme.“

Gab es auch andere Anfragen? „Ich hatte überraschend viele Angebote und ein relativ hohes Interesse von deutschen Teams. Mir standen einige Türen offen. Letztendlich hat sich mein Bauchgefühl für das Sarholz-Team entschieden. Ich denke, damit habe ich in der Situation, in der ich war, auch alles richtig gemacht.“

Wie unterscheidet sich die Arbeit eines Werksteams im Vergleich zu einem Händler-Team, wie es jetzt bei Sarholz der Fall ist? „Normalerweise erwartet man da einen großen Unterscheid. In meinem Fall muss ich das KTM Sarholz Racing Team sehr loben, denn ich habe jetzt bereits sehr viel getestet und konnte viele Teile ausprobieren, um das Motorrad auf mich abzustimmen. Das ist keine Verschlechterung für mich zum vergangenen Jahr.“

Mit seinem neuen Arbeitsgerät ist Tom bereits vor Saisonbeginn sehr zufrieden © Foto: ADAC

Gibt es abgesehen vom Teamwechsel weitere Veränderungen? „Prinzipiell hat sich nicht viel geändert im Vergleich zum Jahr 2024. Ich wohne wieder in meiner Heimat in Thüringen, weil ich mich zu Hause am wohlsten fühle, auch außerhalb vom Thema Motocross. Wir haben bei uns extrem viele Trainingsmöglichkeiten und ich trainiere mit anderen Fahrern, wie Paul Haberland und anderen Fahrern aus der KS-Sportsworld Trainingsgruppe. Konrad Smolinski ist nach wie vor für mein Fitnesstraining verantwortlich und ich trainiere nach wie vor auch mit Marcus Schiffer auf dem Motorrad, wenn sich die Möglichkeiten dazu ergeben.“

Eine Änderung gab es: dein Bruder Tim hat den Rennfahrer-Helm an den Nagel gehangen. Ist das ein merkwürdiges Gefühl? „Wir hatten im vergangenen Jahr bereits eine Abnabelungsphase (lacht) und sind tatsächlich kein einziges Rennen zusammengefahren, abgesehen vom MXGP in Teutschenthal. Ich komme dennoch mit meinem gewohnten Umfeld zu den Rennen und natürlich wird Timmy mich unterstützen, wo er kann. Letztendlich bekommt man im Rennen ohnehin nicht so viel voneinander mit und jeder hat seine eigenen Abläufe. Wenn er trotzdem auf einem Rennen vorbeikommt und mich supportet, dann freue ich mich natürlich sehr.“

Von deinem Bruder hast du die Rolle des Fahrersprechers geerbt. Wie kam es dazu und welche Aspekte dieser Aufgabe sind besonders wichtig? „Nachdem klar war, dass Tim nicht mehr fahren wird, hat der ADAC mir die Rolle angeboten und ich habe sie gerne angenommen. Ich denke, ich habe einen gesunden Menschenverstand und viel Erfahrung, um die verschiedenen Situationen gut einschätzen zu können. Wichtig ist natürlich die Streckenpflege, dass der Boden an gewissen Stellen gut präpariert ist, so dass es sowohl für die jüngeren Klassen passt, aber natürlich auch für die MX Masters-Klasse und dass gewisse Dinge ordnungsgemäß ablaufen, wie die Aufstellung und Arbeit der Streckenkosten oder der Umgang mit kritischen Stellen auf der Strecke. Das kann man aus Fahrersicht immer ein bisschen besser beurteilen, als wenn man ‚nur‘ danebensteht.“

Wie lief die Saisonvorbereitung? „Die lief dieses Jahr wirklich reibungslos. Ich konnte mein Training gut durchziehen, auch wenn das Wetter mit dem vielen Regen und Schnee für niemanden für richtig gute Bedingungen gesorgt hat. Aber da gilt es ja immer, das Beste draus zu machen und das habe ich getan. Ich habe die Zeit genutzt und zusammen mit Gerrit relativ viel am Motorrad ausprobiert, auch kleine Details, und mit Pepper Motorsport verschiedene Dinge am Fahrwerk getestet. Das Motorrad ist jetzt in einem sehr guten Zustand und gibt mir viel Vertrauen, dass ich damit gut Motorrad fahren kann.“

In vertrauten Händen: Gerrit Knipprath ist wieder der Mechaniker © Foto: ADAC

Seit 2020 hast du das ADAC MX Masters immer in den Top-Drei beendet, drei Mal davon als Vizemeister. Welche Zutat hat bislang zum Titelgewinn gefehlt? „Ich würde sagen Max Nagl war immer da. (lacht) 2024 bin ich mit einer Wirbelverletzung nicht gut in die Meisterschaft gestartet und habe gar nicht damit gerechnet, am Ende noch Vizemeister zu werden. Bei drei Wertungsläufen pro Rennen gehen ordentlich Punkte verloren, wenn man bei den ersten drei Veranstaltungen nur halb fit fährt. Das holt man übers Jahr nicht mehr auf. 2023 war ich relativ knapp dran und der Titelkampf war bis zum Saisonfinale offen. Da hat es einfach nicht gereicht. 2022 hatte ich zu Saisonbeginn ebenfalls eine Fußverletzung. Für einen Titelgewinn muss immer alles gut zusammenspielen. Vom Speed und der Konstanz sehe ich mich wieder ganz vorne mit dabei. Meine Starts haben mich in den vergangenen Jahren etwas zurückgehalten. Wenn ich die verbessere, sehe ich nichts, was mich daran hindern könnte, meine Ziele zu erreichen. Ich kann nur mein Bestes geben und natürlich möchte ich um den Meistertitel fahren.“

Wer werden die stärksten Konkurrenten sein? „Mit Max Nagl ist immer zu rechnen. Roan van de Moosdijk wird ebenfalls wieder gut sein und um den Titel fahren. Max Spies darf man auch nicht unterschätzen und Jordi Tixier wird gut sein. Das kann man immer schlecht vorhersagen, aber letztendlich wird man es dann bei den ersten Rennen sehen, wer sich wo einordnet und welche Überraschungen es gibt.“