Auf dem Circuit Zandvoort ist es 2026 so weit: Der damals erst 16-jährige Storm Gjerdrum erzielt sein erstes ADAC GT Masters-Podium. Großer Jubel bei seinem Team FK Performance Motorsport. Unter den Feiernden ist auch ein Mitglied des Haupt Racing Teams: Sein 19-jähriger Bruder Emil. Auf der Strecke sind die Brüder Konkurrenten, abseits freut sich Emil genauso über Storms Podium wie zwei Wochen später der kleine Bruder, als Emil am Lausitzring gleich doppelt Champagner spritzen darf.
„Wir sind beide sehr ambitioniert und helfen uns gegenseitig“, erklärt Emil. Gemeinsam werden Videos und Daten analysiert und hart trainiert. Eines ist den Brüdern dabei aber sehr wichtig: „Wir besprechen natürlich keine Daten oder Interna unserer jeweiligen Teams.“
Denn Storm Gjerdrum teilt sich mit Fabio Rauer den BMW M4 GT3 Evo von FK Performance Motorsport, während Emil Gjerdrum zusammen mit Max Reis im Ford Mustang GT3 des Haupt Racing Teams nach Erfolgen strebt. „Zu Beginn fühlte es sich etwas merkwürdig an“, verrät Emil. „Aber niemand sieht das so eng. Ich esse bei seinem Team und er bei meinem. Beide sind sehr nett und aufgeschlossen.“
Gleich am ersten Rennwochenende der Saison am Red Bull Ring kam es zum Aufeinandertreffen auf der Strecke. „Natürlich sollen wir uns nur aufs Fahren konzentrieren, aber es war etwas Besonderes und ich dachte: Oh Mist, vor mir ist mein Bruder“, lacht Storm, der seine erste Saison im ADAC GT Masters bestreitet. Emil fügt pragmatisch hinzu: „Natürlich fahre ich wie gegen jeden anderen Konkurrenten. Vielleicht manchmal ein bisschen vorsichtiger, denn ich weiß, wenn ich in meinen Bruder crashe, bekommen meine Eltern beide Rechnungen.“
Racing als Familiensport
Mit ihrer Familie leben die Brüder unweit der norwegischen Hauptstadt Oslo auf der beschaulichen Insel Nesoya, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Rennsport ist in der Familie Gjerdrum tief verwurzelt, schon ihr Großvater fuhr als Hobbyfahrer Rennen und Vater Mads begleitete ihn. So kam es, dass auch er mit 18 Jahren im historischen Motorsport an den Start ging. Gemeinsame Wochenenden im alten Mercedes-Bus an der Rennstrecke, Grillen am Abend und einfaches Racing waren von Kindesbeinen an das Leben von Storm und Emil Gjerdrum. „Unser Vater hat uns verschiedenste Sportarten ausprobieren lassen – vor allem weniger teure“, lacht Emil. „Aber wir wollten beide Kartfahren und haben sehr viel dafür getan. Nichts anderes hat für uns Sinn gemacht.“
Durch Vater Mads, der 2013 Mücke Motorsport bei einer Historic-Veranstaltung kennenlernte, kam schließlich auch Emils Einsatz in der ADAC GT4 Germany zustande. Als es um die Zukunft ging, rief Mads Gjerdrum in Berlin an und kurze Zeit später startete Emil für Mücke Motorsport. Nach zwei Jahren folgte 2025 der Aufstieg ins ADAC GT Masters. Storm begann im ADAC Tourenwagen Junior Cup, absolvierte ein paar Rennen in der ADAC GT4 Germany, bevor er 2025 am Salzburgring als Gaststarter sein Debüt in der GT3-Nachwuchsliga des ADAC gab. Beim Start in die aktuelle Saison trug er sich gemeinsam mit Rauer als drittjüngstes Fahrerduo des ADAC GT Masters in die Geschichtsbücher ein.
Gegeneinander für ein starkes Miteinander
„Wir haben Competition fast 24/7“, sagt Storm lachend. Wenn sich die beiden nicht im Auto duellieren, herrscht Konkurrenzkampf auf anderen Ebenen. „Brüder zu sein, hilft uns generell, denn ich will immer besser als Storm sein und er möchte besser als ich sein“, gibt Emil zu. „Wenn Storm laufen geht, muss ich das ebenfalls machen. Andersrum genauso. Wir pushen uns abseits der Strecke und motivieren uns.“
In dieser Beziehung bildet auch der Winter keine Ausnahme. „In Norwegen sind die Seen zugefroren und wir fahren mit unseren Autos dort“, schildert Storm. „Das ist ähnlich wie im Nassen. Wir haben Spikes auf den Reifen, aber du brauchst eine gute Fahrzeugbeherrschung. Das hilft uns auch im Rennsport.“ Natürlich gehört in der Wintersportnation Norwegen auch Skifahren in verschiedenen Variationen zum Programm der beiden Brüder. Storm spielt zudem Tennis und Fußball, während Emil sich ausschließlich auf das Training für seine Renneinsätze konzentriert.
Familienpower im Mini Cooper
Dazu gehören auch Historische Mini-Cooper-Rennen mit identischen Autos. Hier ist Vater Mads ebenfalls am Start und kämpft gegen den Nachwuchs. „Wir haben die Autos von Grund auf selbst gebaut. Es macht Spaß, nebenbei als Mechaniker zu arbeiten und Dinge zu reparieren“, schildert Emil, der so ein gutes Verständnis für die harte und stressige Arbeit der Mechaniker aufbauen konnte. „So können wir die Leistung des Teams erst richtig schätzen.“
Ob Motor- oder Getriebewechsel, die Brüder wissen, wo sie Hand anlegen müssen. In ihren GT3-Autos ist die Technik deutlich ausgeklügelter, trotzdem sind die beiden wissbegierig und streben ein umfassendes Verständnis auch für diese Autos an. Sicher kein Nachteil auf dem weiteren Karriereweg, der beide erneut in die gleiche Richtung bringen soll. „Wir wollen professionelle Rennfahrer werden“, erklärt Storm. „Am besten natürlich Werksfahrer. Motorsport ist unser Traum. Einfach zu fahren, ohne auf die Suche nach Sponsoren und Finanzierungsmöglichkeiten zu gehen.“ Emil fügt hinzu: „Um die Welt reisen und für das Rennfahren bezahlt zu werden. Mein ultimatives Ziel ist die DTM. Ich bin seit vier Jahren in diesem Paddock und es wäre definitiv ein Traum, dort zu fahren.“



