Timo Schulz gewinnt die ADAC Rallye Stemweder Berg und greift nach der Gesamtführung. Wechsel im Cup-Zwischenklassement: Ioan Lloyd löst Tom Dufour als Tabellenführer ab. Starke Vorstellungen des Spaniers Alex Español und des Italieners Valentino Ledda.
Timo Schulz hat der ADAC Rallye Stemweder Berg eindrucksvoll seinen Stempel aufgedrückt. In dominanter Manier hielten der Saarländer und seine Beifahrerin Maresa Lade die elektrische Konkurrenz in Schach und feierten beim vierten Lauf zum ADAC Opel GSE Rally Cup ihren bereits dritten Saisonsieg. Nach 14 Wertungsprüfungen über 141,8 Kilometer – dank „Remote Charging“ bestritten die Stromer wiederum die komplette Distanz der Rallye – lagen Schulz/Lade 1:18 Minuten vor den Zweitplatzierten und setzten dabei nicht weniger als zehn Mal die Bestzeit.
Trotz des Ausfalls bei der Rallye Vosges Grand-Est schob sich der 27-jährige Siersburger, der auch als Führender ins Finale der Junior-Rallye-Europameisterschaft Ende Oktober in Portugal geht, mit nur noch sieben Zählern Rückstand auf den zweiten Rang nach vorne. „Es lief wirklich wie am Schnürchen“, freute sich Schulz. „Wir konnten uns früh absetzen und den Vorsprung in der Folge managen. Hier sind es, anders als in der JERC, nicht sieben Punkte Vorsprung, sondern sieben Punkte Rückstand in der Tabelle – aber dafür sind im Cup noch drei Läufe zu fahren, es geht super eng zu, und alles ist offen.“
Neuer Spitzenreiter im weltweit ersten elektrischen Rallye-Markenpokal ist Ioan Lloyd, der als Drittplatzierter zum vierten Mal in diesem Jahr aufs Podest fuhr. Dabei kamen Lloyd und sein Copilot Sion Williams nicht ungeschoren über die Distanz. Nach einem zeitraubenden Dreher in WP9 beschädigten die Waliser in WP10 die Hinterachse an ihrem Mokka GSE Rally und verloren in dieser und den folgenden beiden Prüfungen viel Zeit, bevor der Schaden im nächsten Service behoben werden konnte. „Der Tag heute war eine echte Achterbahnfahrt“, lachte Lloyd. „Wir haben gut begonnen und lagen auf Platz zwei hinter Timo und Maresa, die wieder unglaublich stark unterwegs waren. Dann kamen der Dreher und der Hinterachsschaden, die uns auf Platz fünf zurückgeworfen haben. Dass es dann noch zum Podium gereicht hat und wir die Punkte für Platz zwei in der Powerstage mitnehmen konnten, freut mich sehr. Der Kampf gegen Timo und Tom ist unglaublich eng – genau das macht den ADAC Opel GSE Rally Cup aus.“
Erheblich härter als Lloyd traf es Tom Dufour. Der als Tabellenführer ins äußerste Nordrhein-Westfalen gereiste Franzose riss sich, auf Rang 2 liegend, bei einem Ausritt in der vierten Wertungsprüfung das linke Vorderrad ab, worauf die Prüfung neutralisiert werden musste. Zwar konnten Dufour und sein Beifahrer Alex Dubois am Samstag wieder starten, aber auf Grund der zehnminütigen Zeitstrafe für die nicht absolvierte Prüfung nicht mehr in den Kampf um die Spitzenpositionen eingreifen. In der Tabelle rutschte Dufour auf Rang drei ab, hat in den verbleibenden drei Saisonläufen aber noch alle Chancen. Die ersten drei trennen nach vier von sieben Saisonläufen gerade einmal zehn Punkte.
Ihre stärkste Saisonleistung lieferten derweil Alex Español und Valentino Ledda ab. Der letztjährige Cup-Vizechampion aus Spanien fuhr nach durchwachsenem Saisonverlauf gemeinsam mit Beifahrer Enrique Velasco als Zweiter aufs Treppchen und war entsprechend zufrieden: „Nach den beiden schlechten letzten Rallyes haben wir einige Dinge geändert, und das hat gut funktioniert. Wir konnten endlich wieder unseren Speed zeigen, und das macht mich sehr glücklich.“
Auch der in diesem Jahr oft vom Pech verfolgte Ledda zeigte seinen Speed eindrucksvoll auf. Mit seinem neuen Beifahrer Lorenzo Fratta fuhr der Italiener bis kurz vor Schluss auf Podestkurs, passierte vor WP13 allerdings eine Zeitkontrolle zu spät. Die zehn Strafsekunden und ein Patzer in der letzten Prüfung warfen ihn noch hinter die Schweden Dante Johansson/Tom Törngren auf den fünften Schlussrang zurück. Immerhin sammelte Ledda so die ersten Punkte in dieser Saison. „Auch wenn wir enttäuscht sind, das Podest verpasst zu haben – unsere Performance hier war die perfekte Motivation für meine bevorstehende Heimrallye in Sanremo“, erklärte der Mann aus Sardinien.
Eine feine Vorstellungen zeigten wiederum die beiden Frauen im Feld. Insbesondere Claire Schönborn legte am Samstag nochmals entscheidend zu und beendete jene Rallye, bei der sie erst vor zwei Jahren mit Opel ihre Rallye-Karriere begonnen hatte, auf dem sechsten Schlussrang. Dabei glänzte die 27-Jährige unter anderem mit der zweitschnellsten Zeit in WP12. „Auch wenn es auf dem Papier nicht so aussehen mag, war es eine unserer besten Rallyes dieses Jahr“, freute sich Schönborn. „Wir waren teilweise dicht an der Spitze dran. Umso ärgerlicher der Verbremser gestern, der uns gut und gerne 20 Sekunden gekostet hat. Überhaupt bin ich gestern etwas mit dem falschen Fuß aufgestanden. Heute lief es dann richtig gut. Und es war sehr schön, wieder hierher zu kommen, wo mit Opel alles begonnen hat.“ Die Belgierin Thyrsa Eertmans folgte unmittelbar hinter der Hunsrückerin auf Platz sieben.
Der fünfte Lauf zum ADAC Opel GSE Rally Cup geht vom 16. bis 18. Oktober im Rahmen der legendären Rallye Sanremo in Italien über die Bühne.
Stand ADAC Opel GSE Rally Cup (nach 4 von 7 Wertungsläufen)
1. Lloyd 111 Punkte. 2. Schulz 104. 3. Dufour 101. 4. Johansson 70. 5. Schönborn 62. 6. Español 55. 7. Eertmans 44. 8. Kamermans 35. 9. Wlömer 20. 10. Ledda 16. 11. Wilhelm 16. 12. Stütz 14. 13. Luif 13.


