Die MotoGP-Saison 2019 durch die Brille der Experten: Start der ServusTV-Kolumne mit Alex Hofmann Foto: ServusTV / Neumayr / Leo
Die MotoGP-Saison 2019 durch die Brille der Experten: Start der ServusTV-Kolumne mit Alex Hofmann Foto: ServusTV / Neumayr / Leo

MotoGP 2019 - Durch die Brille der Experten

ServusTV-Kolumne blickt hinter die Kulissen der MotoGP-Saison 2019

Zum Saisonstart spricht Alex Hofmann, MotoGP-Experte bei ServusTV, über die Stars der Szene, die Teams und die Besonderheiten des Wüstenrennens in Katar.

Sie sind begeisterter MotoGP-Fan und wollen noch mehr über das Motorrad-Ereignis des Jahres erfahren, als Sie im TV ohnehin sehen können? Dann sind Sie hier genau richtig. In einer 9-teiligen Kolumne geben die MotoGP-Experten von ServusTV, Alex Hofmann, Stefan Bradl und Gustl Auinger, spannende Hintergrundinfos und interessante Einblicke in die Welt der MotoGP. Pünktlich zum Start am Wochenende mit dem Grand Prix von Katar macht Alex Hofmann den Anfang und gibt seine Prognose für 2019 ab:

Ich kann es kaum mehr erwarten. Nach den vielen Debatten um Übertragungsrechte und Sendezeiten sind wir alle froh, dass es endlich wieder los geht. Und die Wintertests haben es bereits gezeigt: Es wird wohl die abwechslungsreichste und spannendste Saison aller Zeiten. Es kommen sehr viele Fahrer für die Top 6 in Frage. Allein beim Sepang-Test lagen teilweise 20 Piloten innerhalb einer Sekunde. Und auch in Sachen Motorisierung stand die MotoGP noch nie so gut da wie in der Saison 2019. Wir schwärmen ja jedes Jahr, dass es noch enger, noch spannender wird. Und das wird es dieses Jahr definitiv.

Auch das Fahrerkarussell drehte sich dieses Mal schneller als in den Jahren zuvor. Vor allem Honda wird mit den beiden Alphatieren Marc Márquez und Jorge Lorenzo die aufmüpfigste und stärkste Teamkonstellation stellen. Zusammengezählt bringen die beiden nämlich die meisten WM-Titel in eine Box, die es bei der MotoGP je gegeben hat. Und hier muss man auch einfach mal dazu sagen: Im Honda Team war es schwer, überhaupt einen Teamkollegen zu finden, der sich zu Márquez in die Box traut, ohne direkt die Rolle als designierte Nummer 2 einzunehmen. Ganz im Gegenteil: Mit Jorge haben sie nun jemanden ins Team geholt, der sich selbst den WM-Titel zutraut.

Nach den Querelen bei Ducati im Vorjahr wird es mit der Kombination aus Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci in der neuen Saison hier definitiv harmonischer zugehen. Die beiden verstehen sich gut, sie haben sich zusammen auf der Cross Strecke vorbereitet und Fitness-Trainings gemeinsam absolviert. Teamgeist wird in Bologna also wieder großgeschrieben. Ducati tritt mit dieser Fahrerpaarung auch dieses Jahr wieder deutlich geschlossener auf und verteilt die Rollen klarer. Ein erbittertes Duell wie zu Jorge-Zeiten soll es damit nicht mehr geben. KTM hat ebenfalls einen riesen Schritt gemacht und ist nun personell mit Johann Zarco, Pol Espargaró und Testfahrer Dani Pedrosa sehr gut aufgestellt. Dieses Fahrer-Duo kann sicher Großes schaffen. Ähnlich gut sieht es personell bei Yamaha und Suzuki aus.

Aber nicht nur fahrerisch, auch technisch bringt die MotoGP 2019 das höchste Niveau, das ich in dieser Klasse je gesehen habe. Hier gehen dieses Jahr nur noch Bikes an den Start, die auf dem neuesten Stand sind. Honda befindet sich diese Saison meiner Meinung nach auch mindestens auf Augenhöhe mit Ducati. Dennoch haben die Italiener wohl das Paket mit der besten Mischung aus Performance und Benutzerfreundlichkeit. Suzuki und Yamaha stehen da, wo sie 2018 auch waren, aber mit etwas mehr Rückenwind und einer Leistungskurve, die definitiv nach oben zeigt.

Was uns zum Saisonstart beim Grand Prix in Katar erwartet, wird spannend. Es gibt einige Challenges, die die Wüstenstrecke mit sich bringt. Zusätzlich zu Sand und Wind auf der Strecke - worauf man sich mittlerweile eingestellt hat - sind die großen Temperaturunterschiede ein Problem: tagsüber brennt es auf die Fahrer runter, am Abend kühlt es schnell ab. Der Anstieg der Luftfeuchtigkeit nach Sonnenuntergang ist allerdings noch schwerwiegender, denn das bekommen die Fahrer meist gar nicht bewusst mit. Sie haben sich an den Grip gewöhnt und fahren weiter ihr Tempo. Der Reifengrip lässt dann aber nach, die Rennstrecke verändert sich und dann passieren Stürze. Abgesehen davon ist Katar das erste und einzige Flutlichtrennen der MotoGP. Die Hondas hatten in der Vergangenheit ja bereits ihre Probleme mit der Strecke, ganz zu schweigen von der suboptimalen Saisonvorbereitung für MotoGP-Weltmeister Marc Márquez und Honda-Neuzugang Jorge Lorenzo. Denn: Beide Fahrer waren verletzungsbedingt nicht bei voller Fitness, Lorenzo verpasste sogar den Test in Sepang. Was die Spanier im engen Feld der Königsklasse zum Saisonauftakt in der Wüste Katars leisten können, wird sich zeigen. Zum Auftakt ist es auf jeden Fall eine Chance für alle anderen. Für den weiteren Saisonverlauf kann man aber keine weiteren Rückschlüsse ziehen. Die Devise lautet, gut reinstarten und nichts übertreiben.

Zu Alex Hofmann: Alexander "Alex" Hofmann ist ehemaliger deutscher Motorradrennfahrer und TV-Moderator. In der neuen MotoGP-Saison ist er wieder als Experte und Moderator für ServusTV dabei und berichtet live aus der Boxengasse.

Saison 2019