Stefan Bradl freut sich auf die MotoGP in Mugello Foto: ServusTV / Neumayer / Leo
Stefan Bradl freut sich auf die MotoGP in Mugello Foto: ServusTV / Neumayer / Leo

MotoGP 2019 - Durch die Brille der Experten (4)

ServusTV-Kolumne blickt hinter die Kulissen der MotoGP-Saison 2019

Highspeed-Spektakel auf der italienischen Powerstrecke: Stefan Bradl, MotoGP-Experte bei ServusTV, freut sich auf packende Rennen in Mugello.

Sie sind begeisterter MotoGP-Fan und wollen noch mehr über das Motorrad-Ereignis des Jahres erfahren, als Sie im TV ohnehin sehen können? Dann sind Sie hier genau richtig. In einer 9-teiligen Kolumne geben die MotoGP-Experten von ServusTV, Alex Hofmann, Stefan Bradl und Gustl Auinger, spannende Hintergrundinfos und interessante Einblicke in die Welt der MotoGP.

Auch vor dem Großen Preis von Italien ist in der MotoGP Hochspannung garantiert, die Top 4 sind nach fünf Rennen lediglich durch 23 Punkte getrennt. Allerdings muss man offen ansprechen, dass Marc Márquez der aktuell klar stärkste Fahrer ist. Der Spanier, der die WM-Wertung trotz Nuller in Texas anführt, war schon im letzten Jahr der Stärkste, und auch im Jahr davor, aber in dieser Saison zeigt er sich vom Kopf her noch gefestigter. Zudem hat sich das Motorrad weiterentwickelt, was ich aus eigener Erfahrung weiß. Márquez hat die Honda selbst in diese Richtung geleitet, also ist auch das sein Verdienst.

Ein Selbstläufer wird die Meisterschaft dennoch nicht. Ducati ist nicht weit weg und Mugello gilt nicht gerade als Honda-Strecke. Der einzige Márquez-Sieg in der Toskana liegt fünf Jahre zurück, seine Fehlerquote war in der Vergangenheit hier ungewöhnlich hoch. Er weiß aber, dass ein Podium reicht und mittlerweile verfügt er auch über die taktische Cleverness, einen Platz zu verwalten, wenn das Paket nicht optimal passt.

Was die körperliche Beanspruchung betrifft, zählt die Hochgeschwindigkeitsstrecke zu den anstrengendsten im Rennkalender, was vor allem an den vielen Richtungswechseln liegt. Obwohl in Mugello regelmäßig der Topspeed-Rekord fällt, ist die Strecke für das Material weniger brutal als man vielleicht annehmen möchte. Nach der Zielgeraden musst du zwar einmal stark bremsen, das war's dann aber schon.

Der Favorit heißt diesmal eindeutig Ducati. Mugello ist ihre Teststrecke, auf der Leistung und Topspeed gefragt sind. Andrea Dovizioso wird für sich und die italienischen Fans auf Sieg fahren. Doch nicht immer gewinnt das schnellste Motorrad, denn zum Glück gibt es ja auch ein paar Kurven. Honda ist immer gefährlich und wir wissen, dass Márquez jederzeit eins draufsetzen kann.

Die Herzen der Tifosi werden jedenfalls für Valentino Rossi schlagen, selbst im Ducati-Land. Er ist einfach über die Jahre gesehen der beste und beliebteste Fahrer, der am meisten polarisiert und die größten Emotionen schürt. Aktuell ist die Yamaha allerdings nicht schlagkräftig genug, seit 32 Rennen wartet der Doktor auf einen Sieg. Mit Plätzen zwischen vier und acht gibt sich ein Valentino Rossi auch nicht zufrieden. Die Hingabe, sich mit seinen 40 Jahren trotz Material-Defiziten noch immer hochzuarbeiten, ist umso bemerkenswerter. Und sollte der siebenfache Mugello-Sieger wider Erwarten am Wochenende ein achtes Mal zuschlagen, herrscht in ganz Italien Ausnahmezustand.

Die in einem engen Kessel gelegene Strecke mit dem faszinierenden Ausblick ist auch bei den Akteuren überaus beliebt, die Fahrer genießen diese unvergleichliche Atmosphäre. Und normalerweise spielt in der Toskana auch das Wetter mit. Beste Voraussetzungen also für die Italiener, ihre Helden und sich selbst zu feiern. Ich erwarte Party-Alarm hoch drei.

Stefan Bradl ist MotoGP-Testfahrer bei Honda und TV-Kommentator. In der neuen MotoGP-Saison analysiert der deutsche Moto2-Weltmeister 2011 wieder als Experte für ServusTV die Rennen live aus der Boxengasse.

Saison 2019