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20.07.2015 - ADAC Rallye Deutschland

„Der Reiz der ADAC Rallye Deutschland ist ihre Vielfalt.“

  • Interview mit Vorjahressieger und Hyundai-Pilot Thierry Neuville über den deutschen Lauf zur FIA Rallye-Weltmeisterschaft

München/Trier, 20. Juli 2015 – Er gehört seit Jahren zu den besten Piloten der FIA Rallye-
Weltmeisterschaft: Thierry Neuville. Schon 2013 überzeugte der Belgier als Dauergast auf dem
Podium der WRC und krönte sich am Ende der Saison zum souveränen Vizeweltmeister. Bis zu
seinem ersten Sieg musste sich Neuville jedoch bis zur ADAC Rallye Deutschland 2014
gedulden: Mit dem Gewinn des deutschen Laufs zur FIA Rallye-Weltmeisterschaft feierte er
vergangenes Jahr zugleich den ersten Sieg des Hyundai Shell World Rally Teams in der WRC.

Doch nicht nur wegen seines Vorjahreserfolges genießt die ADAC Rallye Deutschland für den
Belgier einen ganz besonderen Stellenwert: Thierry Neuville stammt aus Hünningen bei Sankt
Vith in der deutschsprachigen Gemeinde Belgiens und somit ganz aus der Nähe der Rallye-
Region. Die Wertungsprüfung Waxweiler führt ihn praktisch „vor die Haustür“ seiner Heimat. Der
Unterstützung zahlreicher belgischer und deutscher Fans kann sich Neuville somit sicher sein.
Vor dem Startschuss zur ADAC Rallye Deutschland haben wir mit dem Vorjahressieger
gesprochen.

Herr Neuville, mit welchen Erwartungen gehen Sie in die diesjährige Ausgabe des deutschen
Laufs zur FIA Rallye-Weltmeisterschaft? Lässt sich der Erfolg des Vorjahres wiederholen?

Thierry Neuville: „Wir werden uns gut vorbereiten und entsprechend zuversichtlich an den Start
gehen. Natürlich wird Volkswagen wieder sehr stark sein und auch Citroën ist auf Asphalt sehr
schnell. Aber 2014 konnten wir mit unserem Hyundai i20 WRC gut mithalten und Bestzeiten
fahren. Auch in diesem Jahr ist hier ein Podiumsplatz möglich. Den Sieg zu holen, wird
schwierig, doch man sollte ihn nie aus den Augen verlieren.“

Bei der ADAC Rallye Deutschland 2014 haben Sie gezeigt, dass Sie ein Siegfahrer sind. Ist der
Erwartungsdruck seitdem gestiegen?

Thierry Neuville: „Nicht unbedingt. Jeder erwartet zwar, dass wir auch dieses Jahr wieder vorne
mitfahren, doch 2014 haben wir auch ein wenig vom Ausscheiden der führenden Teams
profitiert. Wichtig ist, dass wir unser Ziel – ein Top-Resultat – stets im Blick behalten. Mit einer
konstanten Leistung und guten Zeiten ist ein Platz auf dem Podium durchaus in Reichweite.“

Nach sechs Schotter-Rallyes in Folge kehren die Rallye-Boliden in Deutschland auf Asphalt
zurück. Wie schwierig ist die Umstellung auf den neuen Untergrund für das gesamte Team?

Thierry Neuville: „Die Umstellung ist in erster Linie eine Herausforderung für die Piloten und Co-
Piloten, denn die Fahreigenschaften auf Asphalt sind ganz anders als auf Schotter. Es braucht
da immer eine gewisse Zeit, um sich an den neuen Untergrund zu gewöhnen, doch das richtige
Gefühl stellt sich dann wieder schnell ein.“

Wie kann sich ein Laie den fahrerischen Unterschied zwischen Asphalt und Schotter vorstellen?
Thierry Neuville: „Alle Fahreigenschaften sind komplett anders. Auf Schotter sind die Fahrzeuge
sehr weich abgestimmt, das Fahren auf Asphalt ist dagegen eher hart, die Reifen haben
deutlich mehr Grip. Man kann es vielleicht mit dem Umstieg von einer Limousine auf ein Kart
vergleichen. Jeder, der schon einmal Kart gefahren ist, kann das bestimmt gut nachvollziehen.“

Die ADAC Rallye Deutschland gilt als sehr anspruchsvoller Weltmeisterschaftslauf, der den
Teams viel abverlangt. Worin liegen die besonderen Herausforderungen und was macht den
ganz speziellen Reiz aus?

Thierry Neuville: „Die ADAC Rallye Deutschland ist eine sehr schöne und vor allem auch sehr abwechslungsreiche Rallye. Hier trifft man auf viele verschiedene Bedingungen: Da sind die engen Strecken in den Weinbergen mit den vielen Kehren, bei denen man bis in den ersten Gang runterschalten und dann wieder herausbeschleunigen muss. Und dann natürlich die Panzerplatte in Baumholder, die den Teams und den Fahrzeugen alles abverlangt. Hier ist auch die Reifenwahl enorm wichtig – vor allem bei schwierigen Wetterbedingungen.“

Die berühmt-berüchtigte Panzerplatte bietet Rallye-Fans ein Live-Erlebnis der Extraklasse. In diesem Jahr werden hier sogar fünf Wertungsprüfungen absolviert. Was bekommt man im Fahrzeug eigentlich von den vielen Fans und der Mega-Atmosphäre auf dem Truppenübungsplatz mit?
Thierry Neuville: „Als 2014 zum ersten Mal die Sprintprüfungen auf der Panzerplatte gefahren wurden, konnten wir die Atmosphäre vor dem Start der Wertungsprüfungen schon genießen. Gerade in den Kreuzungsbereichen, an denen wir Fahrer mehrmals vorbeikommen, ist immer sehr viel los. Und natürlich habe ich dort auch die vielen belgischen Flaggen der Fans gesehen, die jedes Jahr extra nach Deutschland kommen, um uns zu unterstützen. In der Prüfung selbst sind wir dann aber voll konzentriert.“

Die Wertungsprüfung Waxweiler führt ganz in die Nähe Ihrer belgischen Heimat. Für einen Abstecher nach Hause ist der Zeitplan wahrscheinlich etwas zu eng, aber werden Ihre Freunde und Ihre Familie Sie live vor Ort unterstützen? Hat man da zusätzlichen Druck?
Thierry Neuville: „Meine Familie und mein Fanclub werden mir auch in diesem Jahr vor Ort die Daumen drücken. Aufgrund der Nähe zu meiner Heimat sind natürlich mehr belgische Fans live dabei als bei den anderen Läufen. Für mich ist das aber mehr eine schöne Motivation als ein zusätzlicher Druck.“

Sicherheit spielt bei der ADAC Rallye Deutschland eine wichtige Rolle. In einem Video geben Sie den Fans hierzu wertvolle Tipps. Was können Sie den Zuschauern in puncto Sicherheit mit auf den Weg geben?
Thierry Neuville: „Gerade bei den Wertungsprüfungen in den Weinbergen ist es enorm wichtig, dass sich alle Besucher an die Sicherheitsregeln halten, denn wir Fahrer sehen auf den engen Strecken extrem wenig. Wenn sich die Fans an die markierten Wege und an die erlaubten Zuschauerzonen halten, ist alles bestens. Der ADAC macht hier einen wirklich sehr guten Job. Wenn es so etwas wie einen allgemeingültigen Tipp gibt, dann vielleicht den, dass man sich als Zuschauer am besten schon vor seinem Besuch informiert, was wo erlaubt ist und was nicht. Diese Infos gibt es ja alle auf der Internetseite der ADAC Rallye Deutschland.“

(Anmerkung der Redaktion: Das Video mit Thierry Neuville und die Sicherheitshinweise finden Sie in der Rubrik „Zuschauer“ unter „Sicherheitshinweise“ auf www.adac-rallye-deutschland.de)

Ihr Bruder Yannick gehört ebenfalls zum Teilnehmerfeld der ADAC Rallye Deutschland. Er tritt im ADAC Opel Rallye Cup im Rahmen des deutschen FIA Rallye-Weltmeisterschaftslaufs an. Sie haben ja schon viel Erfahrung, aber wie wichtig ist so eine Plattform wie der ADAC OPEL Rallye Cup für den Nachwuchs und verfolgen Sie die Starts Ihres Bruders?
Thierry Neuville: „Der ADAC Opel Rallye Cup ist eine sehr gute Plattform für junge talentierte Piloten, um im Rallye-Sport Fuß zu fassen. Mein Bruder hat in dem Cup sehr viel Spaß und hält unsere motorsportbegeisterte Familie auf Trab. Bei den meisten Rallyes meines Bruders versuche ich, vor Ort dabei zu sein, ansonsten verfolge ich sie im Internet. Und zugegeben: Es macht auch einmal Spaß, eine Rallye als Zuschauer zu verfolgen und nicht selbst im Auto zu sitzen.“
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Bilder

ADAC Rallye Deutschland, Thierry Neuville

17.07.2015 - ADAC Rallye Deutschland

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