ADAC Rallye Deutschland·19.8.2017

Meet the Crews - Samstag: Dreikampf an der Spitze vor dem Finale

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Teilnehmer:

Malcolm Wilson, M-Sport World Rally Team

Marek Nawarecki, Citroën Total Abu Dhabi World Rally Team

Tommi Mäkinen, Toyota Gazoo Racing

Michel Nandan, Hyundai Motorsport

F:

Malcom, was für ein fantastischer Tag für M-Sport. Ott Tänak führt die Rallye an - mit einem komfortablen Vorsprung, jetzt da nur noch 51 Kilometer zu absolvieren sind. Was denken Sie über seine Performance? Wie zuversichtlich sind Sie, was den Sieg angeht?

MW:

Ja, theoretisch sollte es reichen, aber man weiß nie. Wir hatten heute keine Zwischenfälle. Keinen Platten, nichts. Wir drücken uns die Daumen für morgen und hoffentlich spielt das Wetter mit.

F:

Sébastien Ogier liegt auf dem dritten Rang, nicht weit hinter Andreas Mikkelsen. Wird er etwas riskieren, um sich noch die zweite Position zu holen?

MW:

Keine Frage, er hätte gern die drei zusätzlichen Punkte. Er denkt an die Meisterschaft. Wenn er 15 Punkte und Extrapunkte auf der Powerstage holen kann, dann wäre er sicher auch happy mit seinem Ergebnis bei der ADAC Rallye Deutschland.

F:

Mal angenommen Ogier fährt auf die zweite Position. Würde es, rein theoretisch, dafür eine Team-Taktik geben, um ihn vor Ott Tänak zu bringen - denn Ogier ist ja der designierte Titelkandidat in Ihrem Team?

MW:

Die Taktik wäre dann - wenn Ott noch in der Position ist, zu gewinnen - dann würde ihn das noch näher an Thierry Neuville bringen. Dann hätte ich zwei Fahrer mit Hoffnung auf die Meisterschaft.

F:

Also keine Team-Order in diesem theoretischen Fall?

MW:

Die Antwort habe ich schon gegeben.

F:

Kommen wir zu Marek Nawarecki. Ihr Mann, Andreas Mikkelsen, ist Zweiter, er hat einen tollen Job gemacht, vor Sébastien Ogier zu bleiben. Es wäre wirklich großartig, ein Podium von Ihrem Team zu erleben. Was erhoffen Sie sich für morgen?

MaN:

Ja, es wäre großartig, morgen die Position zu behalten. Er wird alles versuchen, den Platz zu halten - und es Malcom damit ein wenig leichter machen (lacht). Es wird schwer genug. Der Abstand ist sehr gering. Ich bin sicher, Sébastien wird pushen. Es sind noch über 50 Prüfungskilometer. Wir werden sehen, wie die Bedingungen sind. Heute war es gut für Andreas. Am Morgen musste er ein wenig kämpfen, hatte nicht die beste Reifenwahl. Am Nachmittag hat er alles getan, um den zweiten Platz zu verteidigen - einige Sekunden vor Sébastien. Wir werden sehen...

F:

Da ist ein großer Abstand zwischen Andreas und Ott. Ist es möglich für ihn, Druck auf Ott aufzubauen? Würde es das Team stören, wenn er darauf aus wäre?

MaN:

Das Beste ist es, sich darauf zu fokussieren, den zweiten Platz zu sichern, was nicht so einfach ist. Das ist schon genug der Herausforderung.

F:

Kommen wir zu Tommi Mäkinen von Toyota. Juho Hänninen hat heute einen tollen Job gemacht. Schnellster auf der Panzerplatte heute Morgen, gute Reifenwahl. Sagen Sie etwas zu Juhos Leistung.

TM:

Ja, den ganzen Tag hat er gut performt. Am Nachmittag gab es einen kleinen Fehler. Es gab Dämpfer-Probleme, die ihn gebremst haben. Er hatte einen guten Zweikampf mit Elfyn - es wird ein interessanter Tag morgen. Es sind nur 1,3 Sekunden. Er wird sehr hart pushen.

F:

Es war ein etwas schwierigeres Event für Jari-Matti Latvala und Esapekka Lappi. Lappi, der in Finnland noch gewonnen hat. Er schien frustriert, dass er hier nicht die Pace hatte. Er ist sehr hart mit sich, Tommi?

TM:

Ja, gestern das war Pech für Jari-Matti. Heute hat er seine Sache gut gemacht. Esapekka war nach seinem Unfall heute etwas vorsichtiger.

F:

Da ist eine ziemliche Lücke im Terminkalender vor der nächsten Rally. Sechs Wochen bis Spanien. Will Toyota noch mehr Events gewinnen in diesem Jahr?

TM:

Unser Auto ist ganz gut auf Schotter. Wir haben da mehr Erfahrung. Auf Asphalt müssen wir weiter unser Testprogramm verfolgen. Ich hoffe, in Spanien sind wir einen Schritt weiter.

F:

Nun zu Michel Nandan. Thierry Neuville war heute früh in so einer guten Position. Er war motiviert und am Ende der kurzen Panzerplatten-Prüfung war plötzlich sein Rad nicht mehr da, wo es sein sollte. Was genau ist passiert? Wissen Sie es inzwischen?

MiN:

Es war an einer Stelle, wo man die Kurve cuttet. Wenn man dort etwas rutscht, besteht die Gefahr, dass die Felge von der Innenseite einen Schlag bekommt. So ist es auch passiert. Da gibt es keine Chance, da musste etwas abbrechen. Die Aufhängung war ab, unmöglich für ihn, das zu reparieren. Er musste den Tag aufgeben.

F:

Ein Schlag im Titelkampf mit Sébastien Ogier. Es gibt zwar noch drei Events, aber er wollte so viele Punkte wie möglich sammeln. Wie geht es ihm? Wie fühlt er sich?

MiN:

Ich war positiv überrascht, wie gut er darauf reagiert hat. Er konzentriert sich jetzt auf die Powerstage morgen. Das ist gut für ihn.

F:

Auch in der Hersteller-Wertung gibt es einen engen Kampf. Wie fühlen Sie sich diesbezüglich gerade?

MiN:

Momentan müssen wir schauen, dass wir dranbleiben. Unsere Autos hier heil ins Ziel bringen. Dann uns gut vorbereiten auf die letzten drei Events. Wir werden alles unternehmen, um gegen Malcolm anzukämpfen.

F:

Noch kurz zu Dani Sordo. Er hatte einen tollen Nachmittag, drei Prüfungssiege in Folge auf der Panzerplatte. Da denkt man schon mal, was wäre wenn..., oder?

MiN:

Wenn er durchgekommen wäre, wäre er auch vorne. Leider ist das nach gestern nicht mehr möglich. Heute war es sehr gut - vor allem im zweiten Durchgang. Er hat ein paar Veränderungen am Auto vorgenommen und war zuversichtlich. Seine Zeit hat gepasst. Gut für ihn.

Teilnehmer:

Ott Tänak, M-Sport World Rally Team

Andreas Mikkelsen, Citroën Total Abu Dhabi World Rally Team

Sébastien Ogier, M-Sport World Rally Team

F:

Ott, es war ein herausfordernder Tag, aber Sie haben Ihre Führung in der Rallye ausgebaut. Wie fühlen Sie sich bei noch vier ausstehenden Wertungsprüfungen am Sonntag?

OT:

Keine Frage, ich fühle mich gut. Es ist natürlich angenehm, die Führung ausgebaut zu haben. Andreas hat heute Morgen einen Fehler gemacht und uns dadurch letztlich viel Zeit geschenkt. Danach sind die Bedingungen konstanter geworden, wodurch das Fahren angenehmer und sicherer wurde.

F:

Am Sonntag sind noch 51 Wertungskilometer zu fahren. Was können Sie mir über die WPs sagen, die neu für Sie sind?

OT:

Es sind zwar neue Prüfungen, aber sie ähneln denen, die wir im vergangenen Jahr am letzten Tag hatten: recht viele Geraden und Kreuzungen. Insofern vielleicht nicht so schwierig, aber man muss sich trotzdem wirklich konzentrieren, um die Bremspunkte nicht zu verpassen.

F:

Waren Sie mit Ihrer persönlichen Leistung heute zufrieden?

OT:

Ich kann mich nicht beklagen. Die Panzerplatte war heute Morgen noch recht tückisch, immer noch matschig und rutschig, mit einigen Überraschungen. Aber als es trockener wurde, hat es im Auto mehr Spaß gemacht. Wenn der Grip konstant da ist, sind diese Autos wirklich schnell. Insofern ist es leicht, im Auto die gute Atmosphäre wahrzunehmen und die Geschwindigkeit zu genießen. Also ja: Es war ein angenehmer Nachmittag.

F:

Sie scheinen sehr zuversichtlich in den Finaltag zu gehen.

OT:

Ja, es ist erstaunlich gut gelaufen. Ich war zuversichtlich und es war recht einfach, gute Linien zu finden, um Fehler zu vermeiden und die ganze Zeit auf dem Asphalt zu bleiben. Auf der Panzerplatte hatten wir auch einen ganz guten Rhythmus. Ich weiß, dass Sébastien dort schon sehr, sehr stark gewesen ist, aber wir haben es geschafft, das selbe Tempo zu gehen. Das ist für mich ein großer Schritt.

F:

Andreas, es gab heute ein paar Probleme, aber alles in allem war es für Sie ein recht guter Tag, nicht wahr?

AM:

Ja, leistungsmäßig bin ich sehr, sehr zufrieden. Ich habe heute allerdings ein paar Fehler gemacht: Ich habe mich gedreht und habe das Auto zweimal abgewürgt. Aber fahrtechnisch bin ich sehr happy, insbesondere auf der Panzerplatte. Dort habe ich sonst immer sehr viel Zeit verloren. Aber bei der zweiten Durchfahrt heute habe ich es endlich geschafft, die Linien richtig zu treffen und gescheit anzugreifen. Ich bin sogar fast Bestzeit gefahren - fast. Letztlich hat sie Dani Sordo gekriegt, aber ich bin mit dem Tempo sehr zufrieden, insbesondere im zweiten Umlauf.

F:

Sie haben gesagt, dass Sie endlich die Panzerplatte gemeistert haben. Was haben Sie diesmal anders gemacht?

AM:

Ein wenig Studium der Onboard-Videos. Wo man richtig angreifen kann und wo man das Auto sehr sauber halten muss, um nicht zu viel Gummi zu verbrennen. Es ist eine sehr schwierige WP. Sie kann an allen Stellen sehr rutschig sein, aber man kann trotzdem schnell sein. Sobald man sie etwas besser kennt, ist sie eine sehr angenehme Prüfung. Ich habe es wirklich genossen, sie im zweiten Umlauf zu durchfahren, als der Grip gut war.

F:

Sie haben sich heute in einem Zweikampf mit Sébastien befunden. Was denken Sie über den Zeitabstand angesichts der am Finaltag der Rallye noch zu fahrenden Kilometer? Können Sie den zweiten Platz halten?

AM:

Ich habe im Auto momentan sehr, sehr viel Selbstvertrauen. Was die WPs morgen angeht, bin ich zuversichtlich. Heute sind wir auf ähnlichen Prüfungen gefahren. Ich bin guter Dinge und werde versuchen, den Druck auf Ott ebenfalls aufrecht zu erhalten.

F:

Sie haben erwähnt, dass dies Ihr letzter Einsatz für Citroën sei. Es sind noch drei Rallyes zu fahren. Denken Sie, dass eine gute Leistung hier Ihnen einen weiteren Einsatz in diesem Jahr bescheren könnte?

AM:

Das hoffe ich. Ich hoffe immer, dass ich alle Läufe fahren kann. Wir werden sehen. Das Wichtigste ist, nächstes Jahr in einer guten Ausgangslage zu sein, um um die Meisterschaft kämpfen zu können.

F:

Sébastien, Sie müssen an die Meisterschaft denken und dazu hier in Deutschland auch Druck auf die Jungs vor Ihnen ausüben. Das ist ein Balanceakt. Wie lautet der Plan für morgen?

SO:

Morgen geht's nicht mehr so lange. Außerdem sind es schnelle Prüfungen, insofern wird es schwierig sein, da einen großen Unterschied auszumachen. Aber bis jetzt bin ich zufrieden. Heute war ein guter Tag. Ich denke, dass wir die schnellsten Fahrer waren, aber der Zeitverlust gestern war ein bisschen zu groß. Als ich dann Thierry Neuville heute Morgen habe anhalten sehen, haben die Gedankenspiele angefangen. Aber dann war ich auf der Panzerplatte etwas zu vorsichtig. Heute Nachmittag habe ich nicht mehr Druck gemacht, da ich dachte, dass wir mehr Reifenverschleiß haben würden. Am Ende war die Prüfung zu kurz und ich hätte vielleicht zehn Kilometer mehr gebraucht. Aber wie auch immer. Ich freue mich jetzt auf morgen.

F:

Sie sind in Schlagdistanz zu Andreas und zu den fünf möglichen Powerstage-Punkten. Wir werden doch sicher einen Ogier-Push sehen, oder?

SO:

Sicherlich werde ich den Druck hochhalten. Ich werde mich nicht entspannen, denn es ist einfach, Fehler zu machen. Heute ist es fast allen von uns passiert. Deshalb muss man den Druck hochhalten. Und in der Powerstage muss ich auch pushen, denn wie wir hier gesehen haben, sind so viele Fahrer schnell. Wenn man diese Punkte haben will, gibt es keine andere Möglichkeit. Insofern wird das für die Meisterschaft wieder eine wichtige Prüfung.

F:

Für Sie sind alle Punkte wichtig. Wenn Sie morgen auf den zweiten Platz vorrücken sollten, werden Sie Ott fragen, ob er sie zum Sieg durchwinkt? Kommt Taktik ins Spiel?

SO:

Überhaupt nicht. Bis jetzt hat Ott einen großartigen Job gemacht. Auf keinen Fall möchte ich seinen Platz so übernehmen. Das wird nicht passieren. Hoffentlich werden wir alle morgen auf dem Podium sein.